• Meppen und Duisburg kehren in die Bundesliga zurück und verhindern damit den Aufstieg von RB Leipzig. Fluch oder Segen für den Fussball?
  • Olympique Lyon verpasst dem FC Barcelona im Champions-League-Finale eine überraschende Lehrstunde. Wie konnte das passieren?
  • Der VfL Wolfsburg will seiner Favoritinnenrolle im Pokalfinale gerecht werden und Turbine Potsdam zum dritten Mal in dieser Saison schlagen.
Eine Analyse
Dieser Text enthält eine Einordnung aktueller Ereignisse, in die neben Daten und Fakten auch die Einschätzung des Autors einfliesst. Hier finden Sie Informationen über die verschiedenen journalistischen Textarten.

Alle Welt hat über den FC Barcelona und den wunderschönen Fussball gesprochen, den das Team von Trainer Jonatan Giraldez in dieser Saison abermals darbot. Barca cruiste mit einer derartigen Selbstverständlichkeit durch diese Spielzeit, dass selbst Olympique Lyon nicht zugetraut wurde, sie zu stoppen.

Doch es trat ein, was beinahe eintreten musste: Barca spürte die Wut der einstigen Dominatorinnen und verlor mit 1:3. Der Traum von der europäischen Vorherrschaft ist ausgeträumt. Lyon bleibt vorerst das Mass aller Dinge in Europa.

Wie das passieren konnte, ob Potsdam im Pokalfinale den VfL Wolfsburg stürzen kann und wer in der kommenden Saison die Absteigerinnen SC Sand und Carl-Zeiss Jena in der Bundesliga ersetzt, erfahren Sie in unseren drei Themen der Woche.

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1. Bundesliga: Duisburg und Meppen verhindern RB-Aufstieg

Für den Fussball insgesamt waren die letzten Wochen eine emotionale Achterbahnfahrt der Gefühle. Bei den Männern gab es ein aussergewöhnliches Europa-League-Finale, das von Eintracht Frankfurt gewonnen wurde. In Italien konnte die AC Milan ihre Renaissance feiern. Und dann war da dieses spektakuläre Champions-League-Finale der Frauen.

Es hätte gepasst, wenn der SC Freiburg noch den DFB-Pokal gegen einen Klub gewonnen hätte, der nicht nur die Statuten des DFB ad absurdum führt, sondern vor allem aus Marketingzwecken für ein österreichisches Unternehmen existiert, das immer wieder negativ mit Kontakten und Geldflüssen in die rechte Szene auffiel.

Was das jetzt mit der Frauen-Bundesliga zu tun hat? Es ist recht simpel: Ein Aufstieg von RB Leipzig konnte dort knapp verhindert werden. Stattdessen werden der SV Meppen und der MSV Duisburg nach ihrem Abstieg in der letzten Saison direkt wieder aufsteigen.

Die Duisburgerinnen marschierten vor allem gegen Saisonende souverän durch die Liga. Nach einer schwierigen Phase im Frühling (drei Unentschieden und eine Niederlage) folgten nun sechs Siege in Serie. Die Duisburger Niederlage war zugleich die Initialzündung für Meppen, die nach einer 2:4-Niederlage in Leipzig im März ihren damals komfortablen Vorsprung etwas verspielten. Dann aber folgte der 2:0-Sieg gegen den MSV – und anschliessend vier Siege und zwei Unentschieden.

RB Leipzig: Ungewollter Segen für den Frauenfussball?

Wobei einer der Erfolge am grünen Tisch errungen wurde. Eigentlich verlor Meppen im Mai mit 0:2 gegen die Zweitvertretung der Bayern. Da für die Münchnerinnen aber Julia Landenberger auflief, obwohl sie wegen zu vieler Einsätze für die Profis nicht spielberechtigt war, ging der Sieg nach Meppen (2:0).

Diese drei Punkte sorgen nun dafür, dass die Meppenerinnen am letzten Spieltag nicht mehr zittern müssen. Zwar treffen dort Duisburg und Leipzig direkt aufeinander, aber sowohl der MSV (57 Punkte, Platz 2) als auch Meppen (58 Punkte, Platz 1) haben genug Vorsprung auf RB (53 Punkte, Platz 3).

Mit seinen Strukturen und der finanziellen Kraft wäre Leipzig wohl eine Bereicherung für die Bundesliga gewesen. Andererseits ist der Erfolg des Fussballs nicht von einem Unternehmen abhängig, das zu Recht für die Finanzierung von Rechtspopulismus, die Förderung von lebensgefährlichen Situationen im Extremsport oder eben das Aufbrechen der 50+1-Regelung und somit von demokratischen Strukturen innerhalb des Fussballs kritisiert wird.

Aus dieser Perspektive kann der Aufstieg des MSV Duisburg und des SV Meppen nur als Erfolg bezeichnet werden.

Spielerin der Woche: Ada Hegerberg

Die Geschichte der 26-Jährigen ist eine mit Gänsehaut-Garantie. Zwischen Januar 2020 und dem Beginn dieser Saison hatte die Norwegerin wegen einer langwierigen Verletzung nicht mehr gespielt. Dann feierte sie eindrucksvoll ihr Comeback. In 27 Pflichtspielen für Lyon gelangen ihr 17 Treffer und sieben Vorlagen. Die zwei wichtigsten Torbeteiligungen: Im Champions-League-Finale gegen Barcelona. Erst traf sie selbst zum 2:0, dann legte sie das 3:0 auf.

2. Olympique Lyon gewinnt die Champions League: Eine Lehrstunde der Meisterinnen

"Es gab Frauenfussball schon vor Barcelona und er wurde hier über viele Jahre gespielt", sagte Hegerberg noch vor dem grossen Endspiel in der Champions League – dem vielleicht grössten der bisherigen Geschichte. Nicht wenige gingen davon aus, dass der FC Barcelona seine Dominanz abermals auf den Platz bringen und Lyon demütigen würde. So wie es die Französinnen 2019 mit ihnen gemacht haben.

Damals traf Hegerberg dreifach, Barca ging mit 1:4 unter. Lyon wurde in den letzten eineinhalb Jahren mehrfach unterschätzt. Der Glanz alter Tage, die einstige Unantastbarkeit des Klubs, der diesen Wettbewerb 2011, 2012 und dann von 2016 bis 2020 durchgängig gewann, schien verflogen.

Auf der anderen Seite stand vor diesem Finale der FC Barcelona. Jenes Team, das in dieser Saison erst ein Spiel verloren hatte. Von einem anstehenden Machtwechsel wurde bereits berichtet. Ein neues Zeitalter der Dominanz, geprägt durch die Katalaninnen. Angeführt von Alexia Putellas, die in Hegerbergs Abwesenheit zur Weltfussballerin und zum grössten Gesprächsthema avancierte.

Barca war überfordert mit dem Druck

Dementsprechend aufgeladen war dieses Finale auch. Und dementsprechend viel Lust war auf beiden Seiten, vor allem aber bei Olympique Lyon zu spüren. Von einem "letzten Tanz" kann dabei gar nicht so sehr die Rede sein. Lyon hat in den letzten Jahren sukzessive einen Umbruch vorangetrieben, trat im Endspiel immerhin mit fünf Spielerinnen in der Startelf an, die 25 oder jünger sind.

Die Mischung aus Erfahrung und jungen Talenten passt. Und doch gelang es Lyon in dieser Saison nicht, konstant zu performen. In der Gruppenphase gab es eine 0:1-Niederlage gegen Bayern, in den K.-o.-Duellen mit Juventus (Viertelfinale) und Paris (Halbfinale) gab es jeweils zittrige Momente.

Das Finale aber lief komplett nach Plan. Von einer Wiederauferstehung zu sprechen, wäre zu viel des Guten, aber die Leistung erinnerte an das, was die nun achtmaligen Champions-League-Siegerinnen in der vergangenen Dekade so auszeichnete. Kraftvoll, dynamisch, unfassbar schnell in den offensiven Umschaltsituationen – Barca war regelrecht überfordert mit dem Druck, der auf sie ausgeübt wurde.

Lyon mit einer Weltklasse-Defensivleistung

Begünstigt wurde diese Leistung durch ein frühes Sensationstor von Amandine Henry, die den Ball aus gut 25 Metern in den Winkel hämmerte. Bezeichnend war aber gar nicht so sehr dieser traumhafte Abschluss, sondern eher der Ballgewinn zuvor. Lyon gewann einen Grossteil der Zweikämpfe und liess Barca nur selten so kombinieren, wie sie es gewohnt waren.

Es war schlichtweg eine Weltklasse-Defensivleistung des Teams von Sonia Bompastor, die als erste überhaupt die Königsklasse als Spielerin und als Trainerin gewonnen hat. Taktisch war Lyon unglaublich gut eingestellt, Barca kam nicht damit zurecht, dass sie so wenig Raum zum Kombinieren hatten. Fast immer standen ihnen ein oder gar zwei Gegenspielerinnen auf den Füssen.

Vieles deutete darauf hin, dass Barca auf Jahre hinaus unschlagbar sein würde. Vielleicht sind sie wegen ihrer Konstanz immer noch das beste Team der Welt. Wahrscheinlich werden sie noch den einen oder anderen Champions-League-Sieg feiern. Aber in diesem Jahr wohnten sie einer grossen Lehrstunde bei. Olympique Lyon, vielerorts schon abgeschrieben, ist wieder da, wo sie seit mehr als zehn Jahren hingehören: auf Europas Thron.

Zitat der Woche

„Jede Niederlage tut weh, aber wir wussten, dass dieses Spiel ein sehr wichtiges sein würde, weil es die Chance war, die Geschichte zu unseren Gunsten zu verändern.“ – Jonatan Giraldez, Trainer des FC Barcelona.

3. VfL Wolfsburg vor Gewinn des Doubles?

Es wäre wünschenswert, dass das Pokalfinale am kommenden Samstag genauso spannend und überraschend verläuft wie das Champions-League-Finale. Nur ist die Favoritinnenrolle hier deutlich klarer verteilt. In der Bundesliga hat Wolfsburg zweimal mit 3:0 gegen Turbine Potsdam gewonnen.

Die Brandenburgerinnen verspielten zudem in den letzten Zügen der Saison ihre hervorragende Ausgangslage in der Tabelle und werden somit nicht in der Champions League spielen. Eine herbe 0:5-Niederlage dürfte das Selbstvertrauen der Potsdamerinnen erheblich geschwächt haben.

Auf der anderen Seite steht Wolfsburg, die mit Ausnahme einer 1:5-Niederlage in Barcelona nur so durch die Rückrunde fliegen. Wenn eines aus dem Champions-League-Triumph von Olympique Lyon unbedingt stehen bleiben muss, dann, dass im Fussball selten Dinge so eintreffen, wie sie vorhergesagt werden.

So wahrscheinlich ein Kantersieg der Wölfinnen auch ist, für Potsdam ist es die letzte Chance, die eigentlich hervorragende Saison doch noch zu krönen. Vielleicht setzt das Extrakräfte frei. Ein enges und spannendes Pokalfinale wäre der Abschluss, den diese Spielzeit verdient hätte.

So geht es jetzt weiter

Nach dem Pokalfinale ist vor der Europameisterschaft. Am 6. Juli eröffnen die Gastgeberinnen aus England das Turnier gegen Österreich (21.00 Uhr). Im Juni wird es zahlreiche Testspiele geben. Deutschland wird vor dem Auftakt gegen Dänemark (8. Juli, 21.00 Uhr) beispielsweise auf die Schweiz treffen (24.6., 17.00 Uhr).

Verwendete Quellen:

  • DLF Kultur: Red Bull und der Sport: Lebensgefährliches Marketing eines Energy Drinks
  • Sueddeutsche.de: Der rechte Flüüügel