Die Auslosung des Champions-League-Finalturniers verspricht eine durchaus spannende Veranstaltung zu werden. Den Bayern bei ihrer Jagd nach dem Triple stellen sich dabei echte Brocken in den Weg.

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Natürlich war das wieder eine Hochglanz-Veranstaltung, wie man das eben so kennt vom europäischen Fussballverband UEFA. Zwar ohne Zuschauer im Grimaldi Forum in Monaco, aber ansonsten war eigentlich alles wie immer.

Hippe Einspieler mit vielen Protagonisten und noch mehr hochgereckten Daumen sowie die lächelnden Gesichter in den Konferenzräumen in Turin, Barcelona, München oder Madrid suggerierten eine unbändige Vorfreude.

Am Ende ging es dann aber doch nur darum, ein paar Kugeln für das erste Finalturnier in der Geschichte der Champions League aus den Glastöpfen zu ziehen.

Das Finalturnier wird in Lissabon stattfinden, komprimiert auf elf Tage gibt es dann sieben Partien zu verfolgen und am Ende soll, trotz Corona und allen Widrigkeiten, auch in diesem Jahr ein Sieger gekürt werden.

FC Bayern: Erstmal Chelsea ausschalten

Die Bayern rechnen sich grosse Chancen aus, nach sieben Jahren mal wieder in der Königsklasse zu triumphieren und zufällig auch das zu wiederholen, was ebenfalls 2013 erst- und einmalig gelang: Das Triple nach München zu holen.

Der deutsche Rekordmeister muss dafür aber erst noch in Vorleistung gehen, ehe die Auslosung der Viertel- und Halbfinalespiele am Freitag überhaupt erst relevant wird. Wie auch Real Madrid, Manchester City, Olympique Lyon, Juventus, Napoli und der FC Barcelona steht den Bayern noch ein Achtelfinalspiel ins Haus.

Das mag als eine Formalie erscheinen gegen den FC Chelsea, immerhin hatten die Bayern an der Stamford Bridge mit 3:0 gewonnen. Aber Chelsea in der Allianz Arena, als Underdog und mit der vermeintlich schlechteren Mannschaft: Das ruft beim einen oder anderen ein paar böse Erinnerungen ins Gedächtnis.

"Wir haben noch ein zweites schweres Spiel gegen Chelsea", warnt auch Bayern-Vorstand Andreas Jung bei "Sky". "Sie sind sehr gut aus der Corona-Pause zurückgekommen, haben unter anderem ManCity geschlagen. Der erste und wichtigste Schritt ist, gegen Chelsea weiterzukommen."

Allerdings sind die Bayern seit der Amtsübernahme von Hansi Flick so enorm gefestigt, dass das Rückspiel Anfang August auch gegen einen guten Gegner wie Chelsea kein Stolperstein mehr sein sollte.

Barca mit erheblichen Problemen

In einem möglichen Viertelfinale würden dann entweder Napoli oder der FC Barcelona warten. Barca sollte nach dem 1:1 aus dem Hinspiel eigentlich die besseren Karten haben. Aber Barca steht seit dem Re-Start nach der Zwangspause gleich mehrere Wochen neben sich.

Es knirscht und knarzt bei den Katalanen, Trainer Quique Sentien und sein Trainerteam stehen mächtig unter Beschuss - nicht nur vonseiten der Öffentlichkeit, sondern auch aus den eigenen Reihen. Die Mannschaft verwehrte ihrem Vorgesetzten zuletzt nicht nur einmal die Gefolgschaft, allen voran Leo Messi ging auf Konfrontationskurs und soll, so mehren sich mittlerweile die Anzeichen, über einen Weggang aus Barcelona im kommenden Sommer nachdenken.

Napoli kann ein unangenehmer Gegner sein, der an einem guten Tag - und das Finalturnier wird ja nun im EM- oder WM-Modus mit ausschliesslich einem K.o.-Spiel pro Runde ausgespielt - auch mal einen der Grossen zu Fall bringen kann. Für die Bayern hat es in den letzten Jahren aber nie gereicht.

Napoli muss auf dem Weg ins Finale auf jeden Fall eine machbare Aufgabe bleiben. Und ein strauchelndes Barca mit vielen internen Problemen und auf der Suche nach "seinem" Fussball müsste - Stand heute - für die Bayern aus dem Weg zu räumen sein.

"Barcelona spielt diese Saison nicht so gut, wie wir das von Barcelona gewohnt sind", sagte Bayern-Ikone Giovane Elber nach der Auslosung bei "Sky". "Ich habe vorgestern das Spiel von Barcelona angeschaut, und das war grausam! Aber es ist halt Barcelona. Wenn es um alles geht, sind die Spieler da."

Ein Kracher im möglichen Halbfinale

Im Halbfinale könnte die Gemengelage dann deutlich diffiziler werden. Der Sieger aus Real Madrid gegen Manchester City sowie der Partie Lyon gegen Juventus würde dann auf die Bayern warten. Was im Umkehrschluss jetzt schon bedeutet: Von den Grosskalibern Bayern, Barca, Juventus, Real und City wird es nur eine Mannschaft ins Finale schaffen. Der "obere" Turnierbaum ist deutlich stärker besetzt als der "untere" mit Mannschaften wie Leipzig, Atalanta, PSG und Atletico.

Auf die Bayern wird also aller Voraussicht nach einer aus dem Trio Juventus, ManCity oder Real im Semifinale lauern. Die letzten Wochen lässt die Mannschaften stärker erscheinen als etwa Barca, Lyon als totaler Überraschungsgast ist eine eher unwahrscheinliche Konstellation im Halbfinale.

Jeder dieser Gegner hätte sehr viele Stärken, aber eben auch ein paar Schwächen - aber keiner wäre so stark wie die Bayern in den Wochen des Mais und im Juni. Insofern wird es grundlegend darauf ankommen, wie die Münchener ihre neuerliche "Zwangspause" überstehen.

Während die anderen drei grossen Ligen in Europa noch voll im Betrieb sind und relativ nah bis zum Start des Turniers in Lissabon Mitte August im Rhythmus sein werden, kommen die Bayern dann aus einem zweiwöchigen Urlaub. Die Bayern holten aus den elf Spielen der Post-Corona-Zeit elf Siege in allen Wettbewerben, dieser Lauf wurde nun auf Eis gelegt. Die grosse Frage dürfte deshalb sein, ob die Bayern die Pause auch als solche begreifen und ausgeruht zurückkommen oder ob der fantastische Rhythmus darunter leiden wird.

Die Pause als Vorteil oder Nachteil?

"Die Mannschaft ist dann ausgeruht und kann sich in einer kurzen Phase von drei Wochen komplett auf das konzentrieren, auf was es ankommt", sieht Trainer Hansi Flick eher den positiven Aspekt. "Du musst auf den Punkt fit sein. Ich habe ein wahnsinniges Vertrauen in die Mannschaft, dass sie das Ganze so umsetzen kann."

Dann, und nur dann, winkt tatsächlich das Finale im Stadion des Lichts am 23. August - vielleicht ja sogar mit einer Neuauflage des ersten Endspiels in diesem Wettbewerb.

Atletico werden sehr grosse Chancen eingeräumt, in der unteren Turnierhälfte bis ins Finale zu marschieren. Die Mannschaft von Diego Simeone trifft im Viertelfinale auf Leipzig und sollte dort Favorit sein.

Und wie Paris St.-Germain oder die derzeit aufregendste Offensivmannschaft Europas, Atalanta Bergamo, auf die Defensivspezialisten aus Madrid reagiert und damit zurecht kommt, wird spannend sein zu beobachten. Gegen Atletico jedenfalls würde sich ein Kreis schliessen, 46 Jahre nach dem ersten Triumph der Bayern gegen eben jene Rojiblancos im Pokal der Landesmeister.

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