Pierre-Emerick Aubameyang steht womöglich vor dem Absprung bei Borussia Dortmund. Nach dem Pokalfinale des BVB gegen Eintracht Frankfurt soll eine Entscheidung fallen. Es lockt das grosse Geld aus Frankreich und Italien - oder gar astronomische Summen aus der superreichen chinesischen Liga.

Seit fast vier Jahren ist Pierre-Emerick Aubameyang nun schon in Deutschland. Im Sommer 2013 kam der Gabuner vom AS Saint-Etienne zu Borussia Dortmund. Für den Kosmopoliten Aubameyang, der drei Staatsbürgerschaften besitzt und drei Sprachen fliessend beherrscht, war der Wechsel auch die nächste Chance auf eine neue Sprache und eine neue Kultur.

So richtig hat der mittlerweile 27-Jährige die aber nicht angenommen. Aubameyang versteht sehr gut Deutsch, hat aber offenbar keine grosse Lust, die Sprache auch selbst anzuwenden.

Wann immer er spricht, verlässt er sich auf seine Muttersprache Französisch oder auf sein solides Italienisch.

So wie neulich nach dem Spiel gegen Werder Bremen. Aubameyang hatte sich wenige Minuten zuvor zum Torschützenkönig der abgelaufenen Bundesliga-Saison gekrönt, 31 Treffer hatte vor ihm nur Klublegende Lothar Emmerich für den BVB erzielt. Das war vor 50 Jahren.

Aubameyang stand also am Mikrofon des Bezahlsenders "Sky" und hatte unter anderem die Frage zu beantworten, wie es denn nun mit ihm und dem BVB weitergehe. Oder ob es überhaupt weitergehe. "Ich weiss es noch nicht, das werden wir im Laufe der Woche sehen", antwortete Aubameyang auf Italienisch und man konnte förmlich dabei zusehen, wie seinem Dolmetscher Massimo Mariotti die Gesichtszüge entgleisten.

Der Italiener hatte offenbar mit einer weniger zugespitzten Antwort gerechnet, mit etwas mehr Diplomatie oder einer hohlen Phrase.

Ob er das so übersetzen solle, fragte er Aubameyang. "Sag, was du willst." Also formulierte Mariotti etwas weniger drastisch: "Wir haben noch ein Spiel. Ich werde nächste Woche mit dem Klub sprechen und dann entscheiden."

50 Millionen Euro Jahresgehalt

Am Samstag steht das Pokalfinale der Borussia gegen Eintracht Frankfurt an. Für den Klub und auch Aubameyang könnte es der erste Titelgewinn seit der Ankunft des Gabuners in Dortmund werden.

Man übertreibt also nicht mit der Behauptung, es handele sich um eine wichtige Partie. Und weil sich der BVB schon selbst etliche Störfeuer im Vorfeld gelegt hat, konnte man auf dieses eine um Aubameyangs Zukunft doch gerne verzichten.

Vor rund zwei Wochen brachen jedoch Medienberichte über ein angebliches Sensationsangebot für Aubameyang über den BVB herein.

Nach Informationen der für gewöhnlich sehr gut informierten Blätter "L’Equipe" und "France Football" hätte der chinesische Klub Tianjin Quanjian so grosses Interesse an Aubameyang, dass die Chinesen dafür rund 50 Millionen Euro im Jahr an Gage bezahlen wollten.

Und weil es angeblich um einen Dreijahresvertrag gehe, den die Superreichen aus dem Reich der Mitte anstrebten, käme Aubameyang auf die unglaubliche Summe von 150 Millionen Euro für drei Jahre Arbeit.

Was ihn wiederum auf einen Schlag zum bestbezahlten Fussballer der Welt machen würde - selbst Lionel Messi käme mit seinen kolportierten 40 Millionen Euro pro Jahr nicht in diese Dimensionen.

Ähnlich wertvoll wie Messi

Ähnlich wichtig wie Messi für den FC Barcelona ist Aubameyang jedenfalls mittlerweile für den BVB geworden. Fast die Hälfte aller Dortmunder Bundesligatore ging in der abgelaufenen Saison auf Aubameyangs Konto.

Nach 13, 16 und 25 Toren in den Spielzeiten davor konnte der Angreifer seine persönlichen Statistiken noch einmal auf ein ganz neues Niveau heben. In 188 Pflichtspielen hat der Gabuner nun 119 Treffer für die Borussia erzielt.

Aubameyangs Vertrag in Dortmund läuft noch bis zum Sommer 2020, der BVB soll ab einer Ablösesumme von rund 70 Millionen Euro gesprächsbereit sein.

Vor vier Jahren hatten die Schwarz-Gelben vergleichsweise günstige 13 Millionen Euro Ablöse nach Saint-Etienne überwiesen.

Bereits vor einem halben Jahr kamen Spekulationen auf, damals hatte Shanghai SIPG aus China mit einem ähnlich grössenwahnsinnigen Angebot gelockt: Für 150 Millionen Euro sollte Auba vom BVB losgeeist werden, dem Spieler ein Salär von 40 Millionen Euro angeboten werden. So berichtete zumindest die italienische Sportzeitung "Gazzetta dello Sport".

PSG oder Milan wollen Aubameyang auch

So lukrativ die Offerten aus China auch sein mögen, der sportliche Wert der Superleague ist trotz enormer finanzieller Anstrengungen der Klubs noch nicht mal im Ansatz vergleichbar mit dem der europäischen Top-Ligen. Und auch aus Italien und Frankreich liegt verbrieftes Interesse an Aubameyang vor.

Paris Saint-Germain ist ein aussichtsreicher Kandidat, nach Paris pflegt Aubameyang persönliche Beziehungen.

PSG bietet angeblich 14 Millionen Euro Jahresgehalt. Das ist deutlich weniger als bei einem möglichen Engagement in China. Aber es bleibt eben der sportliche Reiz und die Aussicht auf den Gewinn der Champions League.

Persönliche Kontakte hält Aubameyang auch nach Mailand, wo sein Bruder Willy wohnt. Beim AC Milan soll Aubameyang ein Eckpfeiler jener neu aufgebauten Mannschaft werden, die endlich wieder an die Erfolge früherer Tage anknüpfen soll.

Erst vor einigen Wochen war bei den Rossoneri ein überaus zahlungskräftiges chinesisches Konsortium eingestiegen. Und Aubameyang wurde einst in der Jugend von Milan ausgebildet.

Der BVB hält sich, wie in der Causa Thomas Tuchel, weiterhin bedeckt. "Es liegt uns nichts vor", war das einzige Statement, das von Sportdirektor Michael Zorc zu vernehmen war. Mit dem Spieler wolle man sich erst nach dem Pokalfinale am Samstag zusammensetzen.