• Nach katastrophalem Saisonstart übernahm Klublegende Xavi als Trainer beim FC Barcelona.
  • Der Ex-Spieler deckt die Versäumnisse der vergangenen Jahre in der Kaderzusammenstellung und Mannschaftsführung schonungslos auf.
  • Bereits nach wenigen Monaten wird eine positive Entwicklung der Mannschaft unter dem neuen Trainer deutlich.

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Superstar Lionel Messi weg. Insgesamt 1,35 Milliarden Schulden. Zwischenzeitliches Abrutschen auf Rang neun in der Tabelle der Liga. Keine eingeschworene Mannschaft, sondern verunsicherte Individualisten.

Als Ex-Spieler Xavi nach seiner Station bei Al-Sadd in Katar für den Ende Oktober entlassenen Trainer Ronald Koeman beim FC Barcelona übernahm, hätte die Aufgabe kaum grösser sein können. Den gefallenen Giganten des europäischen Fussballs nach dem Abgang ihres Superstars Messi, dem turbulenten Wechsel an der Klubspitze sowie harten Auflagen der Liga in Sachen Transfers und Gehaltsbudget zu übernehmen und trotz aller Widrigkeiten möglichst schnell wieder in die Spur zu bringen, gleicht einer Herkulesaufgabe.

Entsprechend ernüchternd fielen die ersten Monate aus. Nach der zweiten deutlichen Pleite gegen den FC Bayern München in der Gruppenphase der Champions League wurde schnell deutlich, dass die nationale wie auch internationale Konkurrenz den "Blaugrana" mittlerweile meilenweit enteilt ist.

"Die traurige Realität ist, dass wir mit Teams wie Bayern nicht mithalten können. Das ist ein anderes Level. Sie waren uns in allen Belangen überlegen", zog der Trainer nach der Partie bei "DAZN" ein ernüchterndes Fazit. Das Team habe "bei null anzufangen", um "Barça wieder zu rehabilitieren". Denn das Team gehöre wieder dorthin, wo es hingehört: an die Spitze der Champions League.

Die positive Entwicklung nach der Neuausrichtung an der Seitenlinie sollte sich nach einigen Monaten bereits vereinzelt zeigen.

Barcelona findet unter Xavi wieder in die Spur

Die Katalanen sind wettbewerbsübergreifend seit neun Spielen ungeschlagen und konnten dabei mit dem 4:2 im Duell mit Atletico Madrid in La Liga sowie dem fulminanten 4:2 beim SSC Neapel im Rückspiel der Play-offs in der Europa League bereits das ein oder andere Ausrufezeichen setzen.

Nach einem mehr als schwachen Saisonstart hat sich das Team stabilisiert und auch in der Liga wieder in die Spitzengruppe hochgearbeitet. Mit 42 Punkten aus 26 Spielen liegt "Barça" auf Rang drei der Tabelle und damit zumindest wieder auf Kurs zur Qualifikation zur Champions League. Viel mehr ist nach der turbulenten Saison mit zahlreichen Rückschlägen auch nicht zu erwarten. Erzrivale Real Madrid ist mit 15 Punkten Vorsprung deutlich enteilt.

Die Klubführung ist indes voll des Lobes für die Arbeit des langjährigen Mittelfeldstrategen: "Xavi hat die Chance, die ihm der Klub gegeben hat, bisher mit Bravour gemeistert. Ich bin sicher, dass er uns in den kommenden Jahren viel Freude bereiten wird", wird Präsident Joan Laporta vor wenigen Tagen auf der Website des Teams zitiert.

Der erhoffte Schritt nach vorne für die Mannschaft, die sich nach überaus erfolgreichen Jahren zuletzt konsequent in die falsche Richtung entwickelt hatte, ist unter dem neuen Trainer deutlich zu erkennen: "Xavi hat die Mentalität der Mannschaft verändert. Wir können sehen, dass es eine vielversprechende Zukunft gibt, und in der Gegenwart kann er uns in der Europa League Freude bereiten. Und warum nicht auch in der Liga, es ist schwierig, aber wir werden kämpfen", so Laporta.

Doch auch abseits des Trainerpostens setzt Barcelona auf eine neue Strategie in Sachen Kaderplanung.

FC Barcelona: Nachwuchsförderung wieder im Fokus

Barcelonas neuer Plan ist in gewisser Weise eine Rückkehr zur alten Stärke. Zukünftig sollen nicht mehr nur teure Starspieler verpflichten werden – was in den vergangenen Jahren etwa bei Philippe Coutinho oder Antoine Griezmann krachend scheiterte und zahlreiche Jugendspieler ihre Kaderplätze kostete.

Vielmehr soll wieder vermehrt auf die Nachwuchsförderung aus der eigenen Jugendakademie "La Masia" gesetzt werden. "Wir bauen eine neue Ära auf, von der ich hoffe, dass sie grossartig sein wird. Wir tun dies mit jungen Spielern aus dem eigenen Nachwuchs, die jetzt hier sind, aber eine noch bessere Zukunft haben. Unser Ziel ist es, eine Mannschaft zu haben, die gut spielt und Titel gewinnt. Wir haben grosse Hoffnung", führte der Präsident weiter aus.

Barcelona besticht unter Xavi mit einem Team, das nicht mehr nur wie zuletzt auf den kurzfristigen Erfolg unter langsam abbauenden Altstars setzt, sondern konsequent die nachhaltige Entwicklung der Mannschaft fördert.

Der junge Kern um die Defensivspieler Sergiño Dest, Ronald Araújo und Eric García, dazu die Nachwuchs-Juwelen Pedri, Ferran Torres, Gavi und Ansu Fati im Mittelfeld und Offensivbereich bieten reichlich Entwicklungspotenzial. Komplettiert mit der Achse aus erfahren Spielern wie Marc-André ter Stegen, Frenkie de Jong und Ousmane Dembélé wird bei den Fans perspektivisch nicht unberechtigte Hoffnung auf eine Rückkehr an Europas Spitze nach Jahren tiefer Enttäuschung geweckt.

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Hinzu kommen kluge Transfers, die das weiterhin finanziell eingeschränkte Team auf Anhieb voranbringen. Der ehemalige Jugendspieler Adama Traoré wurde im Winter von den Wolverhampton Wanderers ausgeliehen. Mit dem Ex-Dortmunder Pierre-Emerick Aubameyang kam zudem ein erfahrener Spieler für das Sturmzentrum.

Dennoch sollte man sich von dem Erfolg der vergangenen Wochen nicht blenden lassen.

Barcelonas harter Weg zurück an die Spitze

Dass dennoch über Nacht keine Wunder erwartet werden dürfen, ist für Xavi keine Überraschung und sollte auch den erfolgsverwöhnten Fans bewusst werden. Kleinere Rückschläge, wie das 0:0 im Achtelfinalhinspiel der Europa League gegen Galatasaray Istanbul, sind dabei einkalkuliert.

"Wir waren nicht so in Form wie zuletzt", konstatierte der 42-Jährige nach der Partie: "Aber es ist auch schwer, diesen Glanz der letzten vier, fünf Spiele aufrechtzuerhalten. Es gibt Tage, da spielst du nicht so flüssig und gut, das kann passieren. Wenn die Intensität nachlässt, gleicht sich alles aus, dann kann jeder mit dir mithalten."

Sinnbildlich für das neue Barcelona stehen die abschliessenden Worte des Trainers, welche das Vertrauen in die eigenen Qualitäten und vor allem in seine Spieler deutlich unterstreichen: "Besorgt bin ich nicht."

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Auch wenn noch ein langer und steiniger Weg vor den Katalanen liegt: Mit der Verpflichtung von Klublegende Xavi kehrte nicht nur die Hoffnung zurück, sondern bereits nach wenigen Monaten in Ansätzen das, was den FC Barcelona über die vergangenen Erfolgsjahre ausgemacht hat: begeisternder, hochklassiger Fussball.

Verwendete Quellen:

  • Webseite des FC Barcelona: Joan Laporta: "Xavi has changed the mentality of the team"
  • fussball.news: Xavi hadert mit Barça-Auftritt: "Nicht so in Form wie zuletzt"
  • fussball.news: Xavi: "Traurige Realität, mit Teams wie Bayern nicht mithalten zu können"
  • espn.com: Barcelonas rout of Athletic Club sees joy and flair return under Xavi, a significant part of their renaissance
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