• Der FC Bayern München hat mit dem 2:0 gegen den FC Barcelona gezeigt, dass er in der Champions League besser funktioniert als in der Bundesliga.
  • Manuel Neuer und Thomas Müller haben unterschiedliche Erklärungsansätze.
  • Das Formtief von Sadio Mané und mögliche Verletzungsprobleme in der Abwehr bereiten dem FC Bayern aber weiter Sorgen.

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Erst das 2:0 gegen Inter Mailand, gestern das gleiche Ergebnis gegen den FC Barcelona: Der FC Bayern München hat einen Traumstart in der Champions League hingelegt. "Heute haben wir die Effizienz gezeigt, die wir gegen Stuttgart oder Gladbach vermisst haben. Am Ende haben wir dank der grösseren Effizienz gewonnen", lobt Trainer Julian Nagelsmann – und spricht damit ein mysteriöses Problem an.

Während der FC Bayern in der Champions League europäische Top-Mannschaften bezwingt, straucheln sie in der Bundesliga und sind seit drei Spielen sieglos. Sowohl gegen Borussia Mönchengladbach (1:1) wie auch gegen Union Berlin (1:1) und den VfB Stuttgart (2:2) kam der FC Bayern nicht über ein Unentschieden hinaus.

Kapitän Manuel Neuer hat einen Erklärungsansatz für die zwei unterschiedlichen Gesichter. "In der Champions League treffen wir mit Mailand und Barcelona auf Mannschaften, die gerne den Ball am eigenen Fuss haben. Das bietet uns Räume und Platz."

In der Bundesliga würden die meisten Gegner eine defensivere Taktik wählen. "Es ist schwierig für uns, wenn wir Mannschaften haben, die hinten kompakt stehen und bis auf das Letzte verteidigen." Genau das dürfte dem FC Bayern am Samstag wieder in der Bundesliga bevorstehen. "Da wartet mit dem FC Augsburg eine Mannschaft auf uns, gegen die es auch nicht so einfach ist. Aber wir werden unsere Lösungen finden", sagt Neuer.

Gegen tiefstehende Gegner fehlt ein Spielertyp wie Lewandowski

Die Offensivspieler des FC Bayern - allen voran Jamal Musiala, Kingsley Coman, Leroy Sane und Sadio Mané - glänzen vor allem mit ihrer Schnelligkeit und ihren Fähigkeiten am Ball. Der Treffer gegen den FC Barcelona zum 2:0, der nach einer Vorarbeit von Musiala durch Sane entstand, war ein Paradebeispiel dafür.

Kurzum: Der Rekordmeister nutzt die Lücken, die eine offensiv ausgerichtete Mannschaft wie Barcelona bietet. In der Bundesliga fehlt solchen "Ballkünstlern" der Platz, weil die Gegenspieler sich tief im und um den eigenen Strafraum herum positionieren.

Genau in solchen Situationen würde ein Spielertyp wie der abgewanderte Robert Lewandowski helfen, der hohe Zuspiele im gegnerischen Strafraum verwerten kann – auch wenn er gestern gegen den FC Bayern nicht traf.

Mané kann mit seiner Körpergrösse von 1,74 Meter nur bedingt helfen. Der Neuzugang aus Liverpool befindet sich im Formtief und hat in den letzten drei Bundesligaspielen sowie in den beiden Champions-League-Partien nicht getroffen.

Der FC Bayern bringt nur in der Champions League die "Extra-PS auf die Strasse"

Grundsätzlich scheint der FC Bayern in der Champions League motivierter zu sein als in der Bundesliga. "Die Champions League ist immer etwas Besonderes, das spürt man. Jeder will gewinnen", sagt Musiala.

Auch Thomas Müller gibt zu, dass ein mentaler Unterschied besteht. "Es gibt einfach Spiele, die betrachten sowohl die Zuschauer wie auch die Presse und wir Spieler als grösseren Höhepunkt. Wenn es im San Siro gegen Inter Mailand geht oder jetzt gegen Barcelona, ist das für uns natürlich ein Extra-Reiz, um diese Extra-PS auf die Strasse zu bringen", erklärt er.

Was genau das bedeutet? "Meist ist es das Körperliche, dass du in einer Situation, in der etwas passieren könnte, normalerweise aber nichts passiert, trotzdem durchziehst, um auf sicher zu gehen. Oder dass du in der Offensive vielleicht einen Lauf machst, weil das zu diesem einen Tor führen könnte. In einem normalen Bundesligaspiel macht man den vielleicht nicht, wenn man 2:1 führt." Dies würde man sich zwar nicht so vornehmen: "Aber ich kann mir vorstellen, dass es diese Prozesse unterbewusst gibt."

Umso wichtiger wäre es, dies am Samstag beim Auswärtsspiel gegen den FC Augsburg zu korrigieren. Ein Selbstläufer wird das nicht: Vergangene Saison verlor der FC Bayern in Augsburg mit 1:2.

Verletzungssorgen in der Abwehr: Hernandez droht längerer Ausfall

Erschwerend kommen diesmal mögliche Verletzungssorgen in der Abwehr hinzu. Aussenverteidiger Benjamin Pavard musste gegen Barcelona bereits nach 20 Minuten ausgewechselt werden. "Er war etwas benommen, daher haben wir ihn runtergenommen", sagt Nagelsmann.

Schwerwiegender könnte die Verletzung beim Innenverteidiger und Torschütze Lucas Hernandez sein. "Er hat das Gefühl, dass im Adduktorenbereich etwas gerissen ist", sagt Nagelsmann besorgt. Sollte sich das bewahrheiten, dürfte der Franzose länger ausfallen.

Verwendete Quellen:

  • Pressekonferenz des FC Bayern München (13.09.2022 & 14.09.2022)
  • Amazon Prime Video: Bayern München – FC Barcelona

Lothar Matthäus fehlen beim FC Bayern die "Kerle und Typen" von früher

Wenn es nicht laufe, fehlten dem FC Bayern München "Kerle und Typen", so Lothar Matthäus, einst selbst ein Leader beim Rekordmeister. Der Sky-Experte macht als Leader nur noch Manuel Neuer, Thomas Müller und Joshua Kimmich aus. "Früher hatten die Bayern sieben, acht solcher Spieler." Heute wimmele es dafür von hochtalentierten Spielern: "Wenn es läuft." (Teaserbild: IMAGO/Peter Hartenfelser) © Sky