• Frankreich fährt als Weltmeister zur Europameisterschaft 2021.
  • Die Mannschaft ist personell stark besetzt, aber noch nicht in Topform.
  • So könnte der Kader aussehen.

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Im Nachhinein war es wohl so etwas wie ein reinigendes Gewitter. Ein Schuss vor den Bug zum richtigen Zeitpunkt. Als die Nationalmannschaft Frankreichs im Juni 2019 am 3. Spieltag der EM-Qualifikation völlig überraschend mit 0:2 in der Türkei unterlag, knöpfte sich Trainer Didier Deschamps seine Stars vor.

"Wenn man kollektiv eine solche Leistung abliefert, gibt es nichts Positives zu sagen. Wir haben nie zu unserem Spiel gefunden und den Gegner nach Belieben gewähren lassen - wir waren gar nicht da", sagte Deschamps nach der Pleite. Man müsse nun zu den Grundtugenden zurückkehren, forderte er.

Zwar gab es im Rückspiel gegen die Türken nur ein 1:1, dafür wurden die restlichen Spiele alle gewonnen, so dass sich die Franzosen am Ende als Erster der Qualifikationsgruppe mit der Türkei, Island, Albanien, Andorra und der Republik Moldau mit acht Siegen in zehn Spielen bei 25:6 Toren qualifizierten.

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Fundus an Topstars

Die Franzosen können auf einen grossen Fundus an (jungen) Stars zurückgreifen, und das quer durch alle Mannschaftsteile. Superstar ist ohne Frage Angreifer Kylian Mbappé, der trotz seiner erst 22 Jahre dem Turnier seinen Stempel aufdrücken kann.

Doch auch Stürmerkollege Antoine Griezmann, Routinier Olivier Giroud, die Bayern-Legionäre Kingsley Coman, Benjamin Pavard und Lucas Hernández, Mittelfeldmaschine N'Golo Kanté oder Defensivspezialist Raphael Varane machen Frankreich zu einem der Topfavoriten auf den Titel.

Hinzu kommt etwas überraschend die Begnadigung von Reals Torgarant Karim Benzema, der nach sechsjähriger Verbannung wieder zur Tricolore zurückkehrt. Grund für Benzemas Rauswurf: Er soll seinen früheren Mitspieler Mathieu Valbuena dazu gedrängt haben, Dritte zu bezahlen, die mit der Veröffentlichung eines intimen Video drohten. Für die Sextape-Affäre muss er sich im kommenden Oktober juristisch verantworten.

Es gehört deshalb auch zu den wichtigen Aufgaben von Nationaltrainer Didier Deschamps, das Gespür für die richtige Auswahl, die richtige Mischung an Spielern im EM-Kader zu finden. Deschamps ist der bodenständige Kumpeltyp, der die Sprache der Spieler spricht und bereits unter Beweis gestellt hat, dass er aus vielen grossartigen Stars eine Einheit formen kann.

Der Trainer: Didier Deschamps

Der Mann ist eine echte Legende, galt als Spieler als einer der besten Strippenzieher im defensiven Mittelfeld. Als Kapitän führte er "Les Bleus" 1998 zum WM- und zwei Jahre später zum EM-Titel. Seit 2012 ist der 52-Jährige Nationaltrainer Frankreichs und kann dieses Kunststück jetzt wiederholen, wenn er nach der Weltmeisterschaft 2018 nun auch die EM als Coach gewinnt.

Dann hätte Frankreich nach 1998 und 2000 erneut die beiden wichtigsten Titel für Nationalteams inne, was neben Frankreich sonst nur Deutschland (Europameister 1972 und Weltmeister 1974) sowie Spanien (EM 2008 und 2012/WM 2010) gelang.

Doch es ist bei Weitem nicht alles rosig bei den Franzosen, denn der Start in die WM-Qualifikation Ende März verlief holprig, einem enttäuschenden 1:1 gegen die Ukraine folgte ein glanzloses 2:0 in Kasachstan. Dabei kritisierte Griezmann sogar öffentlich den Taktikwechsel von dem üblichen 4-2-3-1 auf ein 4-4-2. Frankreich sucht noch die Form.

Deschamps gibt deshalb den Mahner. "Niemand kann uns mehr nehmen, was wir erreicht haben. Aber wir müssen uns selbst immer wieder sagen, dass wir nicht einfach aufhören können, sondern dass wir weitermachen und versuchen müssen, mehr Titel zu gewinnen", sagte er der Nachrichtenagentur AFP.

Die hohe Erwartungshaltung sei dabei auch ein Ansporn, betonte er, genauso wie die Konkurrenz, die nicht schläft. "Die anderen Nationen machen Fortschritte, arbeiten hart, bleiben nicht still sitzen. Diesen Ehrgeiz müssen wir auch haben und zeigen", sagte Deschamps.

EM 2021: Das ist der Kader von Frankreich

Tor:

  • Mike Maignan (1995), OSC Lille
  • Hugo Lloris (1986), Tottenham Hotspur
  • Steve Mandanda (1985), Olympique Marseille


Abwehr:

  • Raphael Varane (1993), Real Madrid
  • Presnel Kimpembe (1995), Paris St. Germain
  • Kurt Zouma (1994), FC Chelsea
  • Clément Lenglet (1995), FC Barcelona
  • Lucas Hernández (1996), Bayern München
  • Lucas Digne (1993), FC Everton
  • Benjamin Pavard (1996), Bayern München
  • Léo Dubois (1994), Olympique Lyon
  • Jules Koundé (1998), FC Sevilla

Mittelfeld:

  • Paul Pogba (1993), Manchester United
  • N'Golo Kanté (1991), FC Chelsea
  • Adrien Rabiot (1995), Juventus Turin
  • Corentin Tolisso (1994), Bayern München
  • Moussa Sissoko (1989), Tottenham Hotspur
  • Thomas Lemar (1995), Atlético Madrid

Sturm:

  • Kingsley Coman (1996), Bayern München
  • Ousmane Dembélé (1997), FC Barcelona
  • Antoine Griezmann (1991), FC Barcelona
  • Kylian Mbappé (1998), Paris St. Germain
  • Wissam Ben Yedder (1990), AS Monaco
  • Olivier Giroud (1986), FC Chelsea
  • Marcus Thuram (1997), Borussia Mönchengladbach
  • Karim Benzema (1987), Real Madrid

Die Gegner Frankreichs in der Gruppe F:

Verwendete Quellen:

  • Sport1.de: "Titeldouble bei der EM? Frankreich-Coach warnt seine Spieler"
  • Faz.net: "Ein 'Schlag ins Gesicht' für Weltmeister Frankreich"
  • Transfermarkt.de: Erweiterter Kader Frankreich