• 20:25 Uhr: ➤ Nato: Tempo der Abflüge aus Kabul hat sich fast verdoppelt
  • 17:55 Uhr: Maas knüpft politische Zukunft an Kabul-Einsatz
  • 15:43 Uhr: Kramp-Karrenbauer macht politische Zukunft von Kabul-Einsatz abhängig
  • 13:24 Uhr: Taliban drohen mit "Konsequenzen" bei verzögertem US-Abzug
  • 12:28 Uhr: Bundeswehr auch ausserhalb Flughafens im Einsatz - KSK rettet Münchner Familie
  • 11:05 Uhr: Biden zieht Verlängerung von US-Evakuierungsmission in Betracht
  • 07:02 Uhr: Bundeswehr meldet Feuergefecht am Flughafen Kabul - Sicherheitskraft getötet
  • 06:59 Uhr: Weiterer Bundeswehr-Flug evakuiert 213 Menschen aus Kabul

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➤ Nato: Tempo der Abflüge aus Kabul hat sich fast verdoppelt

Trotz Gewalt und chaotischen Zuständen an den Gates zum Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul schreitet die Evakuierungsmission voran. Das Tempo der Abflüge habe sich im Vergleich zu Sonntag fast verdoppelt, schrieb der zivile Repräsentant der Nato in Afghanistan, Stefano Pontecorvo, am Montag auf Twitter. Genaue Zahlen nannte er keine.

Die USA flogen erstmals innerhalb von 24 Stunden mehr als 10.000 Menschen aus Kabul aus. Zwischen dem frühen Sonntagmorgen und dem frühen Montagmorgen hätten 28 Flugzeuge des US-Militärs rund 10 400 Menschen ausser Landes gebracht, teilte das Weisse Haus in Washington mit. Im selben Zeitraum hätten ausserdem 61 Maschinen internationaler Partner rund 5900 Menschen evakuiert.

Zuletzt hatten mehrere Länder damit begonnen, Wege zu suchen, um Menschen, die auf Listen für Evakuierungsflüge sind, in den Flughafen zu bringen. Wegen der Menschenmassen an den Gates konnten diese oft nicht auf das Gelände. Die Bundeswehr ist nun auch ausserhalb des massiv gesicherten Flughafengeländes im Einsatz, um Menschen in Sicherheit zu bringen. Auch ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums sagte am Montag, man habe die Möglichkeit, US-Bürgern zu helfen, sich dem Flughafentor zu nähern, wollte allerdings keine Details dazu nennen.

Seit der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban belagern Tausende Menschen das Gelände rund um den Flughafen in der Hoffnung, auf einen Flug aus dem Land zu kommen. Dabei spielen sich dramatische Szenen ab, es kam bereits zu Toten und Verletzten.

Die weiteren Afghanistan-News des Tages:

Maas will knüpft politische Zukunft an Kabul-Einsatz

17:55 Uhr: Angesichts der Diskussion um die Verlängerung der Evakuierungsmassnahmen aus Afghanistan steht die Bundesregierung in Gesprächen mit den NATO-Partnern über einen "zivilen Weiterbetrieb" des Kabuler Flughafens über August hinaus.

"Wir führen mit den USA, der Türkei und anderen Partnern Gespräche mit dem Ziel, einen zivilen Weiterbetrieb des Flughafens zu ermöglichen", sagte Bundesaussenminister Heiko Maas (SPD) auf einer Pressekonferenz. Darüber werde auch mit den Taliban gesprochen.

Berlin hatte sich bereits zuvor für eine Verlängerung des US-Einsatzes zur Rettung zehntausender Menschen aus der afghanischen Hauptstadt Kabul über den 31. August hinaus ausgesprochen.

Pentagon-Sprecher John Kirby wollte am Montag nicht ausschliessen, dass die Frist über das Datum hinaus verlängert werden könnte. Er betonte aber: "Unser Fokus liegt darauf, das bis zum Ende des Monates zu schaffen." Er wolle deswegen jetzt nicht über eine verlängerte Frist "spekulieren".

Auf Nachfrage sagte Maas, dass er ebenso wie Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer die politische Verantwortung für den Verlauf der Evakuierungsmission übernehmen werde. Kramp-Karrenbauer hatte am Montag gesagt, dass sie ihre politische Zukunft an den Erfolg des Einsatzes knüpfe. "Was immer da vor Ort passiert: Ich halte den Kopf hin", sagte die Ministerin am Montag bei "Bild TV.

Maas sagte auf der Pressekonferenz: "Das gilt für mich ganz genau so." Gleichzeitig betonte der SPD-Politiker, dass jetzt der Fokus auf den Evakuierungen in Afghanistan liege.

USA richten in Deutschland Notunterkünfte für Afghanen ein

17:10 Uhr: Rund 4.000 aus Afghanistan ausgeflogene Menschen könnten vorübergehend auf US-Stützpunkten in Bayern und Rheinland-Pfalz untergebracht werden. Wie ein Sprecher der US Army Europe der Deutschen Presse-Agentur am Montag bestätigte, werden an den Standorten Grafenwöhr und Kaiserslautern entsprechende Vorbereitungen getroffen.

Demnach sollen in Sicherheit gebrachte Menschen dort so lange bleiben, bis sie zu ihren endgültigen Zielorten gebracht werden können. Neben Unterbringung und Verpflegung werde es auch medizinische Versorgung geben, hiess es.

In Kaiserslautern sollen die Menschen den Angaben zufolge in der Anlage "Rhein Ordnance Barracks" untergebracht werden, in Grafenwöhr auf dem dortigen Truppenübungsplatz der US-Streitkräfte.

Grund für die Vorbereitungen ist, dass die USA derzeit ihren riesigen Militärstützpunkt im pfälzischen Ramstein als ein Drehkreuz für die Evakuierung von Schutzsuchenden aus Afghanistan nutzen. Die dortigen Unterbringungsmöglichkeiten sind allerdings begrenzt und könnten bald ausgeschöpft sein.

Zoff im Südwesten über Aufnahme von afghanischen Flüchtlingen

16:22 Uhr: In der grün-schwarzen Koalition in Baden-Württemberg gibt es Streit über ein mögliches Landesprogramm zur Aufnahme von afghanischen Flüchtlingen.

Angesichts der dramatischen Lage in Afghanistan nach der Machtübernahme der Taliban dringt Grünen-Landeschef Oliver Hildenbrand darauf, über Familiennachzug deutlich mehr Menschen aufzunehmen als bisher in Deutschland vorgesehen. Justizministerin Marion Gentges (CDU) lehnte dieses Ansinnen ab und verwies auf das Bundesprogramm zur Aufnahme von Ortskräften, an dem sich der Südwesten beteilige.

Das löste bei den Grünen Verärgerung aus. Es gebe "erheblichen Gesprächsbedarf", hiess es am Montag aus Grünen-Kreisen in Stuttgart. Hildenbrand hatte in einem Positionspapier geschrieben: "Mit einem eigenen Landesaufnahmeprogramm für Menschen aus Afghanistan wollen wir getrennte Familien zusammenbringen. Es soll insbesondere über Anträge von in Baden-Württemberg lebenden afghanischen Angehörigen umgesetzt werden." Das Papier sei mit der grünen Seite der Landesregierung und der Fraktion abgestimmt, hiess es.

Gentges erklärte dagegen in der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten", man sei sich in der Regierung einig, dass man sich nur am Bundesprogramm zur Aufnahme der Ortskräfte beteiligen wolle.

Sie sagte zudem, die Länder hätten sich dem Beschluss der Innenministerkonferenz angeschlossen, es bei dem Bundesprogramm zu belassen. Allerdings arbeitet etwa Schleswig-Holstein an einem eigenen Aufnahmeprogramm, was Hildenbrand begrüsste. In der dortigen Jamaika-Koalition stellt die CDU die zuständige Innenministerin.

Eine Sprecherin von Regierungschef Winfried Kretschmann (Grüne) erklärte: "Der Ministerpräsident und auch die Justizministerin haben klar signalisiert, dass Baden-Württemberg für Hilfe bereitsteht.

Aus Sicht des Staatsministeriums sind jetzt dringend Gespräche auf Bund-Länder-Ebene notwendig, um die Hilfe bestmöglich zu koordinieren." Das gelte auch für die Frage, ob und welche sinnvollen flankierenden Hilfsmassnahmen der Länder möglich seien.

Kramp-Karrenbauer knüpft politisches Schicksal an Verlauf des Kabul-Einsatzes

15:34 Uhr: Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hat ihre politische Zukunft mit dem Verlauf des derzeitigen Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr verknüpft. "Was immer da vor Ort passiert: Ich halte den Kopf hin", sagte die Ministerin am Montag bei "Bild TV".

Kramp-Karrenbauer kündigte in dem Interview an, nach Ende der Evakuierungsmission eine Bilanz zu ziehen und über persönliche Konsequenzen nachzudenken.

Die Ministerin sagte: "Wenn diese Mission zu Ende ist, dann werde ich für mich selbst sehr genau überlegen, welche Verantwortung ich getragen habe, welcher Verantwortung ich gerecht geworden bin, wo vielleicht auch nicht - und welche Schlüsse ich persönlich daraus ziehen muss."

Sie sei bereit, die Verantwortung zu tragen, sagte Kramp-Karrenbauer. "Ich bin die Inhaberin der Befehls- und Kommandogewalt, und die muss vorne an Bord stehen in dem Moment, in dem eine so gefährliche militärische Mission läuft - in die ich die Leute ja auch geschickt habe."

Die Bundeswehr fliegt derzeit Tag für Tag Menschen aus Afghanistan aus. Die Armee schätzt diesen Einsatz als besonders gefährlich ein. Die Bundesregierung steht in der Kritik, weil sie afghanische Ortshelfer und andere gefährdete Afghanen nicht schon vor der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban ausgeflogen hat.

Am Montag startete ein weiteres Militärflugzeug der Bundeswehr von Kabul aus in Richtung Usbekistan; an Bord waren nach Angaben des Einsatzführungskommandos 198 "schutzbedürftige Personen".

96 afghanische Ortskräfte nach Evakuierung in Ungarn eingetroffen

15:27 Uhr: Ungarn hat 96 Afghanen, die das westliche Militärbündnis am Hindukusch als Ortskräfte unterstützt hatten, in einem Auffanglager untergebracht. Die Menschen seien am Tag zuvor mit einer Verkehrsmaschine aus der usbekischen Stadt Buchara nach Budapest geflogen worden, teilte das ungarische Innenministerium am Montag der staatlichen Nachrichtenagentur MTI mit.

"Alle Personen wurden unter behördliche Quarantäne gestellt und werden vom ungarischen Staat vollumfänglich versorgt", hiess es in der Mitteilung weiter. Sie seien in einem Objekt der Fremdenpolizei in Röszke an der serbischen Grenze vorübergehend untergebracht.

Ungarn habe am Sonntag 173 Menschen, die zuvor aus Afghanistan evakuiert worden waren, von Buchara nach Budapest geflogen, erklärte Aussenminister Peter Szijjarto am Montag vor der Presse in Budapest.

Ein Teil der Passagiere sei auf Ersuchen der USA und Österreichs mitgenommen worden. Budapest betrachte jene Afghanen, die für das ungarische Militärkontingent in Afghanistan tätig waren, als "Kameraden", die nun in Ungarn schutzberechtigt seien.

Zugleich kritisierte Szijjarto das US-Militär in Kabul, das die ungarischen Evakuierungsbemühungen immer wieder behindere. In "zahlreichen Fällen" sei es vorgekommen, dass Personen, die Ungarn herausholen wollte, den Flughafen in Kabul wegen der US-Soldaten, die die Zugänge bewachen, nicht erreichen konnten.

"Ungarn erweist sich bei den Evakuierungsoperationen in Afghanistan als zu 110 Prozent loyaler Partner und erwartet sich dies auch von seinen Bündnispartnern", fügte er hinzu.

USA fliegen binnen 24 Stunden mehr als 10.000 Menschen aus Kabul aus

14:50 Uhr: Bei der Evakuierungsmission in Afghanistan haben die USA erstmals innerhalb von 24 Stunden mehr als 10.000 Menschen aus Kabul ausgeflogen. Zwischen dem frühen Sonntagmorgen und dem frühen Montagmorgen hätten 28 Flugzeuge des US-Militärs rund 10.400 Menschen ausser Landes gebracht, teilte das Weisse Haus am Montag in Washington mit.

Im selben Zeitraum hätten ausserdem 61 Maschinen internationaler Partner rund 5.900 Menschen evakuiert. Seit dem Start der Evakuierungsmission Mitte August hätten die Vereinigten Staaten insgesamt rund 37.000 Menschen entweder selbst aus Afghanistan ausgeflogen oder deren Ausreise ermöglicht.

Das US-Militär kontrolliert den Flughafen der afghanischen Hauptstadt und hat dort mehrere Tausend Soldaten stationiert, die den internationalen Evakuierungseinsatz absichern.

Russland warnt vor Bürgerkrieg in Afghanistan - keine Einmischung

14:21 Uhr: Russland sieht die Gefahr eines Bürgerkriegs in Afghanistan - und kündigte an, sich nicht einmischen zu wollen. Potenziell bestehe das "Risiko eines erneuten Bürgerkriegs in Afghanistan", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Montag der Agentur Interfax zufolge.

"Natürlich hat niemand vor, sich in diese Ereignisse einzumischen", sagte Peskow auf die Frage nach einer möglichen russischen Intervention in den Konflikt. Die aktuelle Situation berge aber "eine zusätzliche Gefahr und Bedrohungen".

Russland beobachtet den Siegeszug der militant-islamistischen Taliban in Afghanistan mit Sorge. Befürchtet wird unter anderem, dass Kämpfer in Zentralasien in ehemals sowjetisches Gebiet eindringen könnten. Moskau führt seit langem Verhandlungen mit den Taliban, die die Macht in Afghanistan übernommen haben.

Russlands staatlichem Rüstungsexportunternehmen Rosoboronexport zufolge könnte im Zusammenhang mit der Afghanistan-Krise die Nachfrage nach russischen Waffen steigen. "Wenn bei Nachbarländern oder bei unseren Partnern die Notwendigkeit besteht (...), sind wir bereit, zu reagieren", sagte Rosoboronexport-Chef Alexander Michejew.

Bundeswehr hat fast 3.000 Menschen aus Kabul ausgeflogen

13:39 Uhr: Bei der Evakuierungsaktion der Bundeswehr ist ein weiterer Flieger mit 198 Schutzbedürftigen an Bord aus Kabul im usbekischen Taschkent gelandet. Das teilte die Bundeswehr am Montag auf Twitter mit.

Fast zeitgleich startete aus Taschkent zudem ein weiterer Militärtransporter des Typs A400M in Richtung Kabul, der neben Lebensmitteln auch Kleidung für die Menschen am Flughafen geladen hatte.

Seit dem Start ihrer Evakuierungsaktion habe die Bundeswehr fast 3.000 Menschen aus Kabul ausgeflogen, teilte das Verteidigungsministerium mit. Darunter waren laut Auswärtigen Amt mehr als 1800 Afghanen.

"Wir evakuieren so lange es geht so viele wie möglich aus Afghanistan", hiess es in einem Tweet.

Wie viele der evakuierten Afghanen Ortskräfte etwa der Bundeswehr waren, ist unklar. Einige von ihnen könnten auch mit Flugzeugen anderer Länder ausgeflogen worden sein.

Taliban drohen mit "Konsequenzen" bei verzögertem US-Abzug aus Afghanistan

13:24 Uhr: Die Taliban haben für den Fall eines verzögerten Abzugs der USA und ihrer Verbündeten aus Afghanistan mit "Konsequenzen" gedroht. "Wenn die Vereinigten Staaten oder Grossbritannien mehr Zeit verlangen, um die Evakuierungen fortzusetzen, ist die Antwort nein. Oder es wird Konsequenzen geben", sagte der Taliban-Sprecher Suhail Shaheen am Montag dem britischen Fernsehsender Sky News.

Die USA wollen ihre Truppen bis zum 31. August aus Afghanistan abziehen, angesichts der chaotischen Zustände am Flughafen Kabul gilt die Evakuierung aller Schutzbedürftigen bis dahin aber als unrealistisch.

Kramp-Karrenbauer bestätigt Terrordrohungen in Kabul

13:14 Uhr: Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hat die Lage in der afghanischen Hauptstadt Kabul als sehr angespannt beschrieben und bestätigt, dass es zunehmend Terrordrohungen gebe.

"Wir haben unglaublich viele Flüchtlinge in der Stadt, wir haben eine verschlechterte Versorgungslage, wir haben zunehmend auch Drohungen auch von anderen terroristischen Gruppen", sagte die CDU-Politikerin am Montag bei "Bild TV". Weitere Einzelheiten nannte sie nicht.

Am Montagmorgen hatten Unbekannte den Flughafen Kabul angegriffen. An dem Abwehrgefecht war auch die Bundeswehr beteiligt. Die US-Regierung hatte erst am Sonntag Sorgen vor einem Anschlag der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) am Flughafen oder in der Umgebung geäussert.

"Die Bedrohung ist real, sie ist akut, sie ist anhaltend", sagte der Nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Joe Biden, Jake Sullivan, im Sender CNN. Man nehme die Warnungen "absolut todernst". Die militant-islamistischen Taliban und der regional aktive Zweig des IS sind verfeindet und haben in der Vergangenheit gegeneinander gekämpft.

Bundeswehr auch ausserhalb Flughafens im Einsatz - KSK rettet Münchner Familie

12:28 Uhr: Wegen der dramatischen Situation am Flughafen Kabul und der teils blockierten Zugänge ist die Bundeswehr nun auch ausserhalb des geschützten Airports im Einsatz, um Menschen sicher zu den Evakuierungsflügen zu bringen.

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) sagte am Montag bei "Bild TV", es sei im Moment fast nicht mehr möglich, zum Flughafen zu gelangen. "Deswegen müssen wir sehr viel stärker dazu übergehen, die Leute sozusagen abzuholen. Das tun wir."

Nach einem Bericht von "Bild TV" haben Elitesoldaten des Kommando Spezialkräfte (KSK) eine Münchner Familie aus Kabul gerettet und während der Mission das Gelände des Flughafens verlassen. Bei der Geheim-Operation "Blue Light" hätten sich die deutschen Soldaten zu Fuss vorgearbeitet und eine 19-jährige Münchnerin, ihren kleinen Bruder und ihre Mutter gerettet, hiess es unter Berufung auf Sicherheitskreise.

Die Operation habe rund eine Stunde gedauert. Bisher hatte sich die Evakuierungsmission der Bundeswehr auf das Flughafengelände beschränkt. Zwei Hubschrauber, die zur Evakuierung von gefährdeten Menschen aus dem Stadtgebiet nach Afghanistan gebracht worden waren, kamen bisher nicht zum Einsatz.

Kramp-Karrenbauer bestätigte die Geheimoperation des KSK zwar nicht direkt, dementierte sie auf mehrfache Nachfrage aber auch nicht. Und sie lobte ausdrücklich, dass das KSK in Kabul wie auch die Sanitäter, Fallschirmjäger oder die Besatzungen der Transportflugzeuge einen tollen Job machten.

Taliban-Sprecher: Werden Verlängerung der Evakuierung nicht zustimmen

11:09 Uhr: Die Taliban wollen einer Verlängerung der Evakuierungsmission westlicher Staaten aus Afghanistan nicht zustimmen. Das sagte ein Sprecher der militant-islamistischen Organisation dem britischen Nachrichtensender Sky News am Montag. "Würden die USA oder Grossbritannien zusätzliche Zeit erbitten, um die Evakuierungen fortzusetzen, wäre die Antwort ein Nein", sagte Suhail Schahin, ein Mitglied der Taliban-Delegation in Doha, der Hauptstadt Katars.

Die für den 31. August festgesetzte Frist sei eine "rote Linie", so der Schahin weiter. Sie zu verschieben, käme einer Verlängerung der militärischen Besatzung seines Landes gleich. Dazu gebe es keinen Grund. Er fügte hinzu: "Es wird Misstrauen schaffen zwischen uns. Wenn sie vorhaben, die Besatzung zu verlängern, wird das eine Reaktion hervorrufen".

Den grossen Andrang am Flughafen in Kabul erklärte Schahin mit dem Wunsch vieler Menschen, der Armut in Afghanistan zu entfliehen. Ängste vor Unterdrückung durch die Taliban würden als Vorwand genutzt und seien unbegründet. Berichte über Vergeltungsaktionen von Taliban-Kämpfern an Journalisten, ehemaligen Regierungsmitarbeitern und anderen vermeintlichen Kollaborateuren bezeichnete er als "Fake". Jeder Vorfall weder untersucht. Wer sich schuldig mache, werde zur Verantwortung gezogen.

US-Präsident Joe Biden hatte eine Verlängerung der Evakuierungsmission nicht ausgeschlossen, zugleich aber deutlich gemacht, er hoffe, sie werde nicht notwendig sein. Der britische Premierminister Boris Johnson will bei einem virtuellen Gipfel der G7-Staats- Regierungschefs am Dienstag bei Biden für eine Ausweitung der Frist werben.

Biden: Diskussion über Verlängerung von Evakuierungen in Kabul

11:05 Uhr: Die US-Regierung ist nach Angaben von Präsident Joe Biden im Gespräch mit dem Militär über eine mögliche Verlängerung der Evakuierungsmission aus Afghanistan über das Monatsende hinaus. "Es gibt Diskussionen zwischen uns und dem Militär über eine Verlängerung", sagte Biden am Sonntag (Ortszeit) im Weissen Haus.

"Wir hoffen, dass wir nicht verlängern müssen." Eine Woche nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan versprach Biden erneut, jeden ausreisewilligen Amerikaner nach Hause zu bringen.

Die US-Regierung bemühe sich ausserdem darum, afghanische Unterstützer des Einsatzes, andere gefährdete Afghanen sowie Staatsbürger von Partnerländern ausser Landes zu schaffen.

Biden sagte auf eine entsprechende Frage, sollten andere G7-Staaten um eine längere Präsenz der US-Truppen am Kabuler Flughafen bitten, werde er antworten, "dass wir sehen werden, was wir tun können". Die Staats- und Regierungschefs sieben wichtiger Industriestaaten kommen am Dienstag zu einem Online-Sondergipfel zu Afghanistan zusammen.

Am Kabuler Flughafen herrschte am Wochenende weiter Verzweiflung. Biden sagte, US-Truppen am Flughafen hätten die umliegende Sicherheitszone erweitert. Die Taliban seien dabei "kooperativ" gewesen.

Nach Angaben des US-Präsidenten haben die Evakuierungen deutlich an Fahrt aufgenommen. Biden sagte, seit dem Beginn der US-Evakuierungsmission am 14. August hätten US-Streitkräfte und ihre Koalitionspartner insgesamt fast 28.000 Menschen aus Kabul ausgeflogen.

Biden warnte vor der Gefahr von Terroranschlägen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) am Flughafen in Kabul. "Wir wissen, dass Terroristen versuchen könnten, die Situation auszunutzen und unschuldige Afghanen oder amerikanische Truppen anzugreifen", sagte er.

Biden nannte die Szenen am Flughafen in Kabul "herzzerreissend". Er zeigte sich aber unbeirrt in seiner Überzeugung, dass seine Entscheidung eines vollständigen Truppenabzugs kein Fehler war. Die Evakuierung von Tausenden Menschen aus Kabul wäre immer "hart und schmerzvoll" verlaufen, unabhängig vom Zeitpunkt ihres Beginns. Bidens Regierung wird vorgeworfen, zu spät damit begonnen zu haben.

Johnson will Biden um Verlängerung bei Evakuierungseinsatz bitten

10:31 Uhr: Grossbritanniens Premierminister Boris Johnson will sich bei US-Präsident Joe Biden für eine Verlängerung des Evakuierungseinsatzes in Afghanistan über die bisherige Deadline Ende August hinaus einsetzen.

Das sagte Verteidigungs-Staatssekretär James Heappey dem Nachrichtensender Sky News am Montag. Johnson werde das Thema an diesem Dienstag bei einem Sondergipfel der G7-Staats- und Regierungschefs ansprechen.

Heappey machte auch deutlich, dass eine Fortsetzung des Evakuierungseinsatzes ohne die USA nicht denkbar ist. Das liege nicht nur an den US-Truppen, die den Einsatz sicherten, sondern auch am Betrieb des Flughafens.

"Die harte Realität ist, dass es ohne die Unterstützung der USA keine internationale Luftbrücke geben würde." In Grossbritannien hatte es Forderungen gegeben, die eigene Evakuierungsmission notfalls auch ohne US-Unterstützung fortzusetzen.

Es müsse jedoch klar sein, dass auch die Taliban in die Gespräche einbezogen werden müssen, fuhr Heappey fort. Die militant-islamistische Gruppe habe die Wahl, entweder mit der internationalen Gemeinschaft zusammenzuarbeiten, oder sich auf den Standpunkt zu stellen, dass es keine Möglichkeit für eine Verlängerung gebe.

Ein Sprecher der Taliban in der Hauptstadt Katars Doha sagte Sky News, eine Verlängerung der Frist zu Evakuierung käme einer Verlängerung der militärischen Besatzung seines Landes gleich. Das sei weder notwendig noch werde man sich darauf einlassen. Sollten sich die USA dazu entscheiden, werde das Konsequenzen haben, so der Sprecher weiter.

Olaf Scholz verteidigt Afghanistan-Einsatz

10:13 Uhr: SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz hat den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr trotz der Machtübernahme der Taliban verteidigt. "Das war kein sinnloser Einsatz", sagte Scholz am Sonntag im neuen TV-Sender Bild.

Die Anschläge von Al-Kaida in den USA vom 11. September 2001 seien schlimmer mörderischer Terrorismus gewesen. Der Afghanistan-Einsatz sei eine richtige Reaktion gewesen. Es sei lange klar gewesen, dass die Verbündeten und folglich auch die Deutschen das Land irgendwann verlassen würden.

Deutschland hätte sich lieber weniger schnell aus Afghanistan zurückgezogen. Aber es gelte: "Immer muss es so sein, dass die Länder und Völker in der Lage sind, sich selbst zu verteidigen." Die afghanische Regierung habe das Land im Stich gelassen.

Bekannter afghanischer Journalist Sarwari hat Land verlassen

09:38 Uhr: Einer von Afghanistans bekanntesten Journalisten, Bilal Sarwari, hat nach der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban das Land verlassen.

In einem auf Twitter veröffentlichten Video sagte Sarwari unmittelbar vor seinem Abflug, er und seine Familie hätten nur wenige Sachen mitnehmen können. "Ich habe alles zurückgelassen, wofür ich seit mehr als 20 Jahren gearbeitet habe. Das ist niederschmetternd - vorsichtig formuliert." Offen war zunächst, wo der zuhause ausgezeichnet vernetzte Journalist künftig eben will.

Sarwari sagte weiter, er habe sich nie vorstellen können, seine Heimat zu verlassen. Nun sei die Situation jedoch "ausser Kontrolle". Viele Menschen müssten ihre Hoffnungen, Träume und Lebenspläne begraben.

Es breche ihm das Herz zu sehen, wie viele gut ausgebildete Menschen ins Ausland müssten. Zugleich äusserte er die Hoffnung, dass die Taliban aus Fehlern der Vergangenheit gelernt haben. Sie müssten verstehen, dass sie nun nicht länger eine Schattenregierung seien, sondern grosse Verantwortung trügen und den Übergang vom Kämpfen zum Regieren schaffen.

Auf Twitter folgen Sarwari mehr als 187:000 Menschen. Zwischen Berichten über Terroranschläge, gezielte Tötungen oder Angriffe auf Militärstützpunkte berichtete er immer auch über Seiten des Landes, die man selten zu sehen bekam.

Mit dem Hashtag #Afghanistanyouneversee versah er Tweets über die Wassermelonen-Ernte, Fotos von Kindern beim Cricket-Spiel oder Bilder über die Naturschönheiten des Landes.

Grossbritannien meldet mehr als 5.700 Evakuierungen seit Mitte August

08:45 Uhr: Grossbritannien hat seit der Machtübernahme der Taliban mehr als 5.700 Menschen aus Afghanistan in Sicherheit gebracht. Seit dem Start der Evakuierungen am 13. August seien 5.725 Menschen aus Kabul ausgeflogen worden, darunter mehr als 3.100 ehemalige afghanische Ortskräfte und deren Angehörige, wie das britische Verteidigungsministerium am Sonntagabend mitteilte.

Unter den Ausgeflogenen seien neben den Afghanen diplomatisches Personal sowie Staatsbürger Grossbritanniens und anderer Länder. Der britische Befehlshaber vor Ort, Dan Blanchford, nannte den Einsatz "sehr komplex und schwierig". Familien und Einzelpersonen hätten "entsetzliche Schwierigkeiten", zum Flughafen zu gelangen. Seine Soldatinnen und Soldaten erlebten "herzzerreissende Szenen".

Angesichts des geplanten Abschlusses des Abzugs der US-Truppen bis Ende August betonte der britische Verteidigungsminister Ben Wallace unterdessen in der "Mail on Sunday", die USA hätten "die volle Unterstützung" Grossbritanniens für eine Verlängerung des Einsatzes.

Die USA hatten angekündigt, ihre Soldaten bis zum 31. August aus dem Land abziehen zu wollen. Angesichts dieses engen Zeitplans und der schwierigen Bedingungen für die Evakuierung warb Verteidigungsminister Wallace für eine Verschiebung des endgültigen Abzugsdatums.

Umfrage: Grosse Mehrheit in USA hält Abzug für schlecht gehandhabt

07:46 Uhr: Angesichts des Chaos in Afghanistan ist eine grosse Mehrheit der Amerikaner einer Umfrage zufolge unzufrieden mit dem Verlauf des von US-Präsident Joe Biden angeordneten Truppenabzugs.

Ground Zero, 11. September 2001
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20 Jahre Krieg in Afghanistan - eine Chronologie

Fast zwei Jahrzehnte nach ihrer Vertreibung aus Kabul erobern die Taliban auch die Hauptstadt wieder. Ein Rückblick.

74 Prozent der Befragten gaben an, die USA hätten den Rückzug schlecht gehandhabt, wie der Sender CBS am Sonntag (Ortszeit) mitteilte - obwohl 63 Prozent einen Abzug der amerikanischen Streitkräfte an sich befürworteten.

Auch Bidens Zustimmungswerte nahmen deutlich ab: Nur noch 50 Prozent zeigten sich zufrieden damit, wie Biden seinen Job macht. Im vergangenen Monat waren es noch 58 Prozent, im März sogar 62 Prozent.

Fast zwei von drei Befragten glaubten nicht, dass Biden einen klaren Plan dafür habe, amerikanische Zivilisten aus Afghanistan zu evakuieren. 59 Prozent vertraten die Meinung, dass die USA nicht genug unternähmen, um Afghanen zu helfen, die vor den Taliban fliehen wollten.

62 Prozent der Befragten gaben dem Demokraten Biden eine Mitschuld für die Machtübernahme der Taliban - deutlich mehr als seinem republikanischen Vorgänger Donald Trump (50 Prozent). 60 Prozent gingen davon aus, dass die Terrorbedrohung für die USA mit der Machtübernahme der Taliban zunehme.

Das Institut Yougov befragte für CBS 2142 Erwachsene in den USA. Die Umfrage fand zwischen dem 18. und dem 20. August statt. Die Taliban hatten am 15. August wieder die Macht in Afghanistan übernommen. Am Vortag hatten die USA mit ihrer Evakuierungsmission begonnen.

Bundeswehr meldet Feuergefecht am Flughafen Kabul - Sicherheitskraft getötet

07:02 Uhr: Am Flughafen von Kabul hat es laut Angaben der Bundeswehr am Montagmorgen ein Feuergefecht zwischen afghanischen Sicherheitskräften und unbekannten Angreifern gegeben.

Dabei sei eine afghanische Sicherheitskraft getötet und drei weitere verletzt worden, meldete die Bundeswehr im Onlinedienst Twitter. Im weiteren Verlauf des Gefechts seien auch US- und deutsche Soldaten beteiligt gewesen. Alle Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr seien unverletzt.

Der Kabuler Flughafen wird seit der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban vor einer Woche von ausländischen Soldaten gesichert. Vor den Toren des Flughafens drängen sich seit Tagen tausende verzweifelte Menschen, die auf einen Platz in einem Evakuierungsflieger hoffen.

Am Samstag wurden die Tore deshalb zeitweise ganz geschlossen. Daraufhin kam es zu Panik und Gedränge, mehrere Menschen kamen dabei ums Leben. Auch die Evakuierungsflüge gerieten zeitweise ins Stocken.

Russischer Botschafter: Taliban zu Dialog mit Gegnern bereit

07:26 Uhr: Die Taliban sind nach Angaben des russischen Botschafters in Kabul zur Verhandlung mit ihren Gegnern in der letzten noch nicht eroberten afghanischen Provinz Pandschir bereit. Botschafter Dmitri Schirnow sagte im russischen Staatsfernsehen, die Taliban hätten ihn gebeten, den Anführern und den Menschen im Pandschir-Tal eine Botschaft zu überbringen. Die Taliban hofften, "eine friedliche Lösung für die Situation zu finden, zum Beispiel durch eine politische Vereinbarung. Die Taliban wollen kein Blutvergiessen und sind zum Dialog bereit."

Amrullah Saleh, der vor der Machtübernahme der Taliban Vizepräsident Afghanistans war und sich nach der Flucht des Präsidenten Aschraf Ghani nun als rechtmässiger Präsident ansieht, twitterte am Sonntagabend deutscher Zeit, Taliban hätten Kräfte nahe dem Zugang zu Pandschir zusammengezogen.

Weiterer Bundeswehr-Flug evakuiert 213 Menschen aus Kabul

06:59 Uhr: Bei der Evakuierungsaktion der Bundeswehr ist ein weiterer Flieger mit 213 Schutzbedürftigen an Bord aus Kabul im usbekischen Taschkent gelandet. Das teilte die Bundeswehr in der Nacht zu Montag auf Twitter mit. Der Militärtransporter des Typs A400M hatte auf dem Hinflug Hilfsgüter zum Flughafen Kabul gebracht.

Zuvor hatte die Bundeswehr seit dem Start ihrer Evakuierungsaktion bereits mehr als 2500 Menschen ausgeflogen. Darunter waren etwa 1850 Afghanen, hiess es am Sonntagabend aus dem Auswärtigen Amt. Zudem wurden demnach mehr als 270 Deutsche und mehrere Hundert Menschen aus anderen Ländern ausgeflogen. Wie viele der evakuierten Afghanen Ortskräfte etwa der Bundeswehr waren, ist unklar. Einige von ihnen könnten auch mit Flugzeugen anderer Länder ausgeflogen worden sein.

Vor einer Woche hatten die militant-islamistischen Taliban Kabul erobert und die Macht übernommen. Seitdem fürchten Oppositionelle, Journalisten, Menschenrechtsaktivisten und auch Ortskräfte, die für westliche Staaten tätig waren, Racheaktionen an sich. Viele Bürger befürchten, dass die Extremisten wieder ein islamisches "Emirat" errichten wollen und dabei mit drakonischen Strafen gegen Andersdenkende vorgehen.

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Mit Material von dpa, afp, sid, reuters und apa.