• Die Bayern gelten als erste Anlaufstelle für deutsche Nationalspieler.
  • Nun macht Borussia Dortmund dem Rekordmeister aber Druck: Gleich drei DFB-Spieler könnten ab der kommenden Saison neu beim BVB spielen.
  • Ist das ein Zufall oder eine Trendwende?

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Uli Hoeness hatte die Idee, die mittlerweile schon mehr als zwei Jahrzehnte alt ist. Dem damaligen Bayern-Manager schwebte der "FC Bayern Deutschland" vor: Die besten deutschen Spieler, aktuelle Nationalspieler oder solche, die auf dem Sprung sind, sollten sich beim FC Bayern sammeln.

Es waren die später 90er Jahre, das Bosman-Urteil hatte die Strukturen des Fussballs gehörig durcheinander gewirbelt. Und während weniger gut betuchte Klubs aus der Not eine Tugend machten und sich ihre Kader mit mittelmässigen Spielern besonders aus Osteuropa voll machten, wollten die Bayern die Besten des Landes bei sich wissen.

Und so kam es, dass die Bayern Hoeness‘ Vorhaben auch in die Tat umsetzten: Um die Jahrtausendwende stellten die Münchener phasenweise bis zu zehn deutsche Nationalspieler, von Oliver Kahn im Tor bis Carsten Jancker im Sturm.

Es verändert sich etwas

Die Strategie, zu grossen Teilen auf Spieler mit einem deutschen Pass, damit einer grösseren Aufmerksamkeit bei Spielen oder Turnieren der Nationalmannschaft und in letzter Konsequenz auch besseren Vermarktbarkeit zu setzen, hat sich bis in die Neuzeit gehalten. Und man muss kein Prophet sein zu vermuten, dass die DFB-Auswahl bei der WM Endes diesen Jahres unter Anleitung des ehemaligen Bayern-Trainers Hansi Flick von einem starken Bayern-Block angeführt werden dürfte.

Und trotzdem könnte sich aktuell auch ein bisschen was verändern in der Herangehensweise der Bayern und auch der ihrer Kontrahenten. Borussia Dortmund etwa schickt sich an, neben einer der ersten Adressen für blutjunge, meist ausländische Talente auch eine für (kommende) deutsche Nationalspieler zu werden.

Der Kader dieser Saison weist mit Mats Hummels, Julian Brandt, Emre Can, Mo Dahoud und Marco Reus fünf potenzielle Nationalspieler auf, bei Youssoufa Moukoko geht alle Welt davon aus, dass er es auch irgendwann ins Trikot der A-Nationalmannschaft schaffen wird. Bei den Bayern sind es deren acht, neben Torhüter Manuel Neuer und Innenverteidiger Niklas Süle gleich sechs Mittelfeldspieler aller Couleur.

Der BVB bald mit den meisten deutschen Nationalspielern?

Nun verschieben sich aber zumindest die nummerischen Kräfteverhältnisse ein wenig. Die Bayern machen noch keine Anstalten, sich mit weiteren deutschen Nationalspielern zu verstärken, der BVB dagegen hat schon Nägel mit Köpfen gemacht oder steht kurz davor. Nico Schlotterbeck und Karim Adeyemi stehen vor einem Wechsel zur Borussia, Niklas Süle hat bereits beim BVB unterschrieben. Ihn lassen die Bayern einfach gehen, was intern schon zur einen oder anderen Irritation geführt haben soll.

Damit stellen die Bayern nach aktuellem Kenntnisstand in der kommenden Saison sieben deutsche Nationalspieler - und Dortmund acht. Das mag eine Marginalie sein und kann sich in den kommenden Wochen und Monaten noch ändern. Und auch über die Qualität und Wichtigkeit der Spieler für Bundestrainer Flick liesse sich trefflich streiten. Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus aber sieht darin mehr als nur eine zufällige Verkettung der Umstände, Matthäus will eine grundsätzliche Veränderung erkannt haben und kritisiert die Bayern dafür.

"Bei Bayern weiss man zurzeit nicht, was bei Transfers genau los ist - da scheiden sich die Geister", sagte der 61-Jährige bei "Sky Sport"."Uli Hoeness hat mal gesagt: 'Ein junger deutscher Nationalspieler muss für den FC Bayern spielen.' Das war lange Zeit Gesetz." Aber nun: Greift der BVB die "jungen deutschen Nationalspieler" ab, die Adeyemis und Schlotterbecks und vielleicht darf man auch den 26-jährigen Süle noch dazu rechnen.

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Matthäus: Adeyemi passt super zu Dortmund

Dass Schlotterbeck offenbar das Dortmunder Angebot vorziehe oder von den Münchenern gar keines vorgelegt bekomme, "obwohl der FC Bayern in der Innenverteidigung Bedarf hat", zeige exemplarisch, dass die deutsche Talente nicht mehr zwingend zum FC Bayern gingen.

Stattdessen kann sich der BVB auf junge, hungrige Spieler freuen. Besonders einen möglichen Adeyemi-Wechsel zum BVB würde Matthäus dabei sehr begrüssen. "Das ist so ein bisschen Sancho, ein bisschen Dembele, etwas Haaland, denn er kann auch vorne zentral spielen. Ich glaube, der Spieler passt super zu Dortmund, besser als zum FC Bayern, weil er beim BVB mehr Spielzeit bekommt", so Matthäus. "Ich denke, es ist für Adeyemi der bessere Schritt nach Dortmund zu gehen als zum FC Bayern."

Verwendete Quelle:

  • sport.sky.de: Matthäus kritisiert FCB-Transferpolitik: "Scheiden sich die Geister"
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