Die Nationalmannschaft hat sich gegen Spanien bis auf die Knochen blamiert. Etliche Ex-Spieler sind fassungslos - und fordern eine Rückkehr der Aussortierten Jérôme Boateng, Thomas Müller und Mats Hummels. Doch Bundestrainer Jogi Löw macht die Tür zu.

Mehr Fussballthemen finden Sie hier

Nach der 0:6-Pleite gegen Spanien am Dienstagabend stehen die Nationalmannschaft und Bundestrainer Jogi Löw massiv in die Kritik. Prompt werden auch die Rufe nach den 2019 ausgemusterten Spielern Jérôme Boateng, Mats Hummels und Thomas Müller wieder laut.

Jürgen Klinsmann, Vorgänger von Löw, sieht nach der Klatsche in der Nations League aber keinen Grund für einen Trainerwechsel. "Es gibt keinen Bedarf für einen neuen Trainer. Dann dreht man komplett durch, welche Botschaft sendet man denn damit aus?", fragte Klinsmann beim US-TV-Sender ESPN.

Klinsmann fehlen die Anführer im DFB-Team

Klinsmann kritisierte nach der höchsten Pflichtspielniederlage einer deutschen Fussball-Nationalmannschaft einen Mangel an Führung auf dem Platz und brachte dabei Thomas Müller ins Spiel: "Das grösste Fragezeichen ist sicherlich das Thema Führung. Wer ist der echte Anführer dieser Mannschaft?"

"Niemand auf dem Platz ausser Manuel Neuer als Torhüter hat diesen Schritt gemacht in den vergangenen zwei Jahren. Das ist wirklich traurig zu sehen. Es fehlt ein Anführer, eine Persönlichkeit, die nach dem zweiten oder dritten Tor ein Signal setzt."

Müller sei genau so ein Typ beim FC Bayern. "Leroy Sané, Serge Gnabry - die alle folgen Müller auf dem Platz, deswegen sind die Bayern seit ich weiss nicht wie lange ungeschlagen in der Champions League", sagte der 56-Jährige. "Das ist ein grosses, grosses Problem für das deutsche Team nur sechs oder sieben Monate vor dem EM-Start."

Schweinsteiger fordert Müller- und Boateng-Comeback

Auch der ehemalige deutsche Nationalspieler und heutige ARD-Experte Bastian Schweinsteiger machte sich am Dienstagabend für ein Comeback von Müller - und Jérôme Boateng - stark.

"Ich weiss, dass solche Spieler wie Boateng oder Müller das Triple gewonnen haben mit dem FC Bayern. Sie sind die beste Mannschaft Europas. Die spielen in der ersten Elf, die haben Qualität. Das sind deutsche Spieler. Warum nicht für die Nationalmannschaft?", fragte Schweinsteiger.

Die Niederlage gegen Spanien sei "entsetzlich" gewesen, "ein Nackenschlag", kommentierte der frühere Mittelfeldstar und fügte hinzu: "Man muss nicht von heute auf morgen alles umwerfen, aber gewisse Fragen muss man sich stellen."

Neben dem 36-Jährigen sprach sich auch der ehemalige deutsche Nationalspieler Mesut Özil für Boateng aus. "Zeit, Boateng zurückzuholen", twitterte der Profi des FC Arsenal am Dienstagabend.

Matthäus will komplettes Trio zurück

Auch der deutsche Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus meldete sich nach der herben Niederlagen zu Wort. Er fordert eine Rückkehr von Müller, Boateng und Mats Hummels.

"So ein Gesamt-Versagen habe ich noch nie gesehen! Es wird weiter die Diskussion um Hummels und Boateng geben. Man braucht diese Führungsspieler nach so einer Niederlage! In Sachen Teamführung wird Müller genannt werden", kommentierte der 59-Jährige am Mittwoch das Spiel bei "Bild". Er glaube aber nicht, dass Löw von seiner Meinung bei den Dreien abweichen werde, fügte Matthäus hinzu.

Damit lag er richtig: Eine Rückkehr der Aussortierten war für den Bundestrainer nach der Partie kein Thema. "Wir haben gesagt, dass wir den Spielern das Vertrauen schenken wollen. Wir waren auf einem guten Weg. Aber wir sind noch nicht so weit, wie wir geglaubt, gehofft haben", sagte Löw.

Ähnlich äusserte sich DFB-Manager Oliver Bierhoff: "Es ist eine Entscheidung des Trainers, wen er nominiert. Aber ich teile sie und bin den Weg mitgegangen." (msc/dpa)

Bildergalerie starten

Höwedes, Schürrle, Götze, Özil und Co.: WM-Helden von 2014 landen auf dem Abstellgleis

Sie haben mitgeholfen, den vierten WM-Stern aufs Trikot der deutschen Nationalmannschaft zu holen, ihr eigener Stern aber strahlt nicht mehr besonders hell. Nicht nur Final-Torschütze Mario Götze spürt, dass seine Heldentaten nicht mehr so viel zählen. Andre Schürrle und Benedikt Höwedes haben schon die Reissleine gezogen.
Teaserbild: © imago images/Xinhua