• 22:51 Uhr: Laut europäischen Schätzungen bis zu 20.000 Söldner in Ukraine-Krieg im Einsatz
  • 20:43 Uhr: ➤ USA und EU bereit zu weiteren Sanktionen gegen Russland
  • 19:01 Uhr: Scholz sagt Ukraine Waffenlieferungen der deutschen Industrie zu
  • 18:56 Uhr: Pentagon: Aktuelle Kämpfe sind Auftakt grösserer Offensive Russlands
  • 17:28 Uhr: Gouverneur über Mariupol: "Die Verteidigung hält stand"
  • 15:39 Uhr: Moskau verkündet Feuerpause in Mariupol
  • 15:01 Uhr: UN stellen sich auf sechs Millionen Bedürftige in Ukraine ein
  • 12:51 Uhr: Verstärkte russische Luftangriffe im Osten der Ukraine
  • 11:01 Uhr: Separatisten: Erstürmung des Stahlwerks in Mariupol hat begonnen
  • 10:24 Uhr: FDP-Generalsekretär Djir-Sarai fordert Lieferung schwerer Waffen: "Die Zeit drängt"
  • 07:55 Uhr: Nach Gräueltaten in Butscha: Putin ehrt russische Soldaten

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➤ USA und EU bereit zu weiteren Sanktionen gegen Russland

Die USA und die Europäische Union haben ihre Bereitschaft zu weiteren Sanktionen gegen Russland bekundet. Die westlichen Verbündeten hätten "einen breiten Konsens" über die Notwendigkeit erzielt, den Druck auf Russland durch neue Sanktionen zu erhöhen, erklärte die italienische Regierung am Dienstagabend. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte auf Twitter an: "Wir werden unsere Sanktionen gegen Russland weiter verschärfen."

Die Erklärungen folgten auf eine Videokonferenz der Staats- und Regierungschefs der G7 und ihrer osteuropäischen Nato-Partner. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hob nach dem virtuellen Treffen die Wirksamkeit der bereits verhängten Sanktionen hervor. "Unsere Massnahmen treffen Russland und Putin hart", sagte er. "Die Sanktionen zeigen eine sehr, sehr deutliche Wirkung." Die nächsten Schritte würden "in enger Abstimmung" mit den westlichen Partnern vorbereitet.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg erklärte, die Verbündeten seien sich einig, dass der Kreml-Chef Wladimir Putin den Krieg sofort beenden müsse und dass Russland "noch höhere Kosten" auferlegt würden, "bis er dies tut". Nach Angaben Frankreichs ist der Westen entschlossen, seine Unterstützung für die Ukraine zu verstärken und neue Sanktionen zu verhängen, falls Moskau den Krieg fortsetze.

Die Sprecherin von US-Präsident Joe Biden, Jen Psaki, erklärte, bei der Videokonferenz seien Möglichkeiten erörtert worden, Russland weiterhin "hohe wirtschaftliche Kosten" aufzuerlegen.

Die Lage im Überblick:

Seit 24. Februar führt Russland aus der Luft und am Boden einen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Kurz zuvor hatte Präsident Wladimir Putin das Existenzrecht der Ukraine als eigenständiger Staat in Zweifel gezogen und die Anerkennung der sogenannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk in der Ostukraine verkündet.

Die ukrainische Armee wehrt sich nach Kräften gegen die Invasoren. Auf beiden Seiten gibt es Berichten zufolge Tausende Tote, wie viele Soldaten und Zivilisten bereits starben, lässt sich jedoch nicht unabhängig überprüfen. Fakt ist: Die humanitäre Lage in der Ukraine spitzt sich mit jedem Tag zu. Nach Angaben der UN sind inzwischen mehr als 4,5 Millionen Menschen aus der Ukraine geflohen (Stand: 12. April), vor allem Frauen und Kinder, da Männer zwischen 18 und 60 Jahren das Land nicht verlassen dürfen.

Die EU und die USA reagierten mit Sanktionen. Ausserdem liefern sie der Ukraine Waffen, auch Deutschland unterstützt das Land mit schweren Waffen aus Bundeswehr- und NVA-Beständen. Dass die Nato aktiv in den Krieg eingreift, gilt bislang als ausgeschlossen.

Am ersten April-Wochenende sorgten Bilder von den Leichen vieler Zivilisten in der Kleinstadt Butscha bei Kiew international für Entsetzen. Die Ukraine spricht von schweren Kriegsverbrechen und Völkermord und macht dafür russische Truppen verantwortlich. Moskau bestreitet trotz zahlreicher Hinweise am Tod der Zivilisten beteiligt gewesen zu sein. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj betonte, die Verhandlungen mit Russland sollen weiter fortgesetzt werden.

Am 18. April soll laut ukrainischer Aussage eine lange vorbereitete Grossoffensive Russlands im Osten der Ukraine begonnen haben.

Die weiteren Meldungen des Tages

Laut europäischen Schätzungen bis zu 20.000 Söldner in Ukraine-Krieg im Einsatz

22:51 Uhr: Russland setzt im Ukraine-Krieg nach westlichen Schätzungen zwischen 10.000 und 20.000 Söldner ein. Bei den Söldnern handele es sich um Mitglieder der berüchtigten russischen Wagner-Gruppe sowie um Kämpfer aus Syrien und Libyen, sagte ein europäischer Regierungsbeamter am Dienstag vor Journalisten in Washington. Die Söldner verfügten nicht über schwere Fahrzeuge oder Waffen, vielmehr würden sie in erster Linie als "Masse gegen den Widerstand der Ukrainer" eingesetzt.

Bei den Söldnern handele es sich grösstenteils um Infanteristen, sagte der Regierungsvertreter, der nicht genannt werden wollte. Wieviele von ihnen der Wagner-Gruppe angehörten, sei nicht klar. Beobachtet worden seien vor allem "Verlegungen" von Kämpfern aus Syrien und Libyen in die ostukrainische Region Donbass.

Bereits Ende März war das britische Verteidigungsministerium davon ausgegangen, dass Russland über 1000 Söldner der Wagner-Gruppe in die Ukraine entsenden könnte, darunter auch Anführer der Organisation.

Die Söldnergruppe Wagner gilt als Russlands "Schattenarmee" und wird mit Krisenregionen wie Syrien, Libyen, der Zentralafrikanischen Republik und zuletzt auch Mali in Zusammenhang gebracht. Den Söldnern werden schwere Verstösse gegen Menschenrechte vorgeworfen, darunter Folter und gezielte Tötungen. Moskau bestreitet jegliche Verbindung zu der Gruppe.

Scholz sagt Ukraine Waffenlieferungen der deutschen Industrie zu

19:01 Uhr: Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat der Ukraine zugesagt, direkte Rüstungslieferungen der deutschen Industrie zu finanzieren. "Wir haben die deutsche Rüstungsindustrie gebeten uns zu sagen, welches Material sie in nächster Zeit liefern kann", sagte Scholz am Dienstag in Berlin. "Die Ukraine hat sich nun von dieser Liste eine Auswahl zu eigen gemacht, und wir stellen ihr das für den Kauf notwendige Geld zur Verfügung." Darunter seien wie bisher Panzerabwehrwaffen, Luftabwehrgeräte, Munition "und auch das, was man in einem Artilleriegefecht einsetzen kann".

Zusätzlich würden Nato-Partner Ersatz erhalten, die Waffen sowjetischer Bauart in die Ukraine liefern. "Das ist etwas, was wir mit vielen anderen zusammen machen, die den gleichen Weg einschlagen wie wir."

Lieferungen aus Bundeswehrbeständen soll es nach den Angaben des Kanzlers dagegen kaum noch geben. "Hier müssen wir inzwischen erkennen, dass die Möglichkeiten, die wir haben, an ihre Grenzen stossen", sagte er.

Pentagon: Aktuelle Kämpfe sind Auftakt grösserer Offensive Russlands

18:56 Uhr: Das US-Verteidigungsministerium sieht die jüngsten russischen Angriffe im Osten der Ukraine nur als Vorzeichen einer grösseren Offensive Russlands. "Wir gehen davon aus, dass diese Angriffe das Vorspiel zu grösseren Offensivaktionen sind, die die Russen planen", sagte ein hochrangiger Beamter des Pentagons am Dienstag in Washington. Er betonte, man widerspreche damit nicht den Darstellungen, dass der erwartete Grossangriff der russischen Truppen im Osten des Landes begonnen habe. Es gehe nur darum, zu unterstreichen, dass die aktuellen Angriffe erst der Auftakt seien.

Auch wenn es südwestlich von Donezk und südlich von Isjum bereits verstärkte Kämpfe am Boden gebe, sei Russland noch dabei, seine logistischen Kapazitäten auszubauen und auch Einheiten von ausserhalb der Ukraine ins Land zu holen. In den vergangenen 24 Stunden habe Russland zwei weitere taktischen Bataillone in die Ukraine gebracht - damit seien inzwischen 78 dieser Einheiten im Land. Er nannte keine genaue Zahl mit Blick auf die einzelnen Einheiten, aber solche Bataillone bestehen typischerweise aus etwa 600 bis 1000 Soldaten.

Der Verteidigungsbeamte sagte weiter, nach US-Einschätzung liege die Kampfkraft des russischen Militärs - mit Blick auf Truppen und Ausrüstung - inzwischen bei etwa 75 Prozent dessen, was Moskau zu Beginn des Angriffskrieges auf die Ukraine zur Verfügung hatte.

Nach ukrainischen Angaben läuft die zuvor erwartete Offensive der Russen seit Montag. Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte am Montagabend in einer Videobotschaft gesagt: "Wir können jetzt feststellen, dass die russischen Truppen die Schlacht um den Donbass begonnen haben, auf die sie sich seit langem vorbereitet haben." Russland vermied den Begriff Offensive. Aussenminister Sergej Lawrow bestätigte aber, dass die nächste Phase der "Spezial-Operation" begonnen habe.

Kiew meldet Freilassung von 76 Ukrainern bei Gefangenenaustausch

17:40 Uhr: Bei einem weiteren Gefangenenaustausch mit Russland sind nach Angaben Kiews 76 ukrainische Kriegsgefangene freigelassen worden. 60 Soldaten und 16 Zivilisten "kehren nach Hause zurück", erklärte die ukrainische Vize-Regierungschefin Iryna Wereschtschuk am Dienstag auf Telegram. Wie viele Russen im Gegenzug auf freien Fuss kamen, sagte sie nicht. Wereschtschuk zufolge war es bereits der fünfte Gefangenenaustausch seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine am 24. Februar.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte Moskau auch angeboten, den in der Ukraine gefangen genommenen pro-russischen Geschäftsmann Viktor Medwedtschuk gegen ukrainische Kriegsgefangene auszutauschen.

Am Montag veröffentlichten die ukrainischen Behörden ein Video, in dem Medwedtschuk den russischen Präsidenten Wladimir Putin um seine Freilassung im Austausch gegen die verbliebenen Verteidiger und Bewohner der belagerten ukrainischen Hafenstadt Mariupol bittet. Der Kreml lehnt einen Austausch bislang mit der Begründung ab, Medwedtschuk habe nichts mit dem Militäreinsatz zu tun.

Gouverneur über Mariupol: "Die Verteidigung hält stand"

17:28 Uhr: Im von der russischen Armee belagerten Mariupol halten die Strassenkämpfe nach Angaben der ukrainischen Behörden weiter an. "In Mariupol wird gekämpft", sagte der ukrainische Gouverneur der Region Donezk, Pawlo Kyrylenko, am Dienstag im US-Sender CNN. "Es finden Strassenkämpfe statt, und dies nicht nur mit Kleinwaffen, sondern es gibt auch Panzerschlachten auf den Strassen der Stadt."

Stadtviertel, in denen viele ukrainische Kämpfer seien, stünden unter "schwerem Beschuss, doch die Verteidigung hält stand", sagte Kyrylenko. "In einigen Stadtteilen gehen die Strassenkämpfe weiter." Man könne "nicht sagen", dass diese von der russischen Armee kontrolliert würden. Die Angaben konnten von unabhängiger Seite nicht verifiziert werden.

Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums hatten sich in der vergangenen Woche rund 1000 ukrainische Soldaten nach der wochenlangen Belagerung der Stadt ergeben. Nach Angaben der pro-russischen Separatisten in der Region Donezk verschanzen sich aber weiterhin Hunderte ukrainische Kämpfer in den Mariupoler Stahlwerken. Nach Angaben der städtischen Behörden befinden sich in den unterirdischen Anlagen der Stahlwerke auch mindestens 1000 Zivilisten.

Russland hatte den verbliebenen ukrainischen Verteidigern in Mariupol ein Ultimatum bis Sonntag gesetzt, um sich zu ergeben. Diese Frist liessen die Kämpfer verstreichen. Am Dienstag forderte Russland die ukrainischen Streitkräfte erneut zur Aufgabe auf und verlangte von den Verteidigern von Mariupol, ihren "sinnlosen Widerstand" zu beenden.

Knappe Mehrheit der Deutschen für Lieferung von Offensivwaffen

17:18 Uhr: Eine knappe Mehrheit der Deutschen ist nach einer Umfrage für die Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine. 51 Prozent sprachen sich im Trendbarometer von RTL und ntv für die Lieferung von Offensivwaffen und schwerem Gerät aus. 37 Prozent sind nach der am Dienstag veröffentlichten Forsa-Erhebung dagegen.

Zugleich ist das Meinungsbild aber uneinheitlich hinsichtlich der Frage, ob die Bundesregierung mehr tun sollte. 38 Prozent der 1007 Befragten sind der Meinung, die Regierung tue zu wenig, um die Ukraine im Krieg gegen Russland zu unterstützen. 34 Prozent halten den Umfang für genau richtig. 16 Prozent hingegen sind der Meinung, Deutschland unternehme zu viel.

Vor allem Anhänger der Grünen (44 Prozent) sowie der Unionsparteien (46 Prozent) fordern mehr Unterstützung für die Ukraine. Dass die Regierung sich zu viel für die Ukraine engagiere, meinen vor allem Anhänger der AfD (51 Prozent).

Ausweisung von Diplomaten: Auch Österreicher betroffen

16:31 Uhr: Russland hat als Antwort auf die Ausweisung Dutzender russischer Diplomaten mehr als 30 Diplomaten aus den Benelux-Ländern und Österreich zu "unerwünschten Personen" erklärt. Allein aus den Niederlanden müssen 15 Beschäftigte der Botschaft in Moskau das Land binnen zwei Wochen verlassen, wie das russische Aussenministerium am Dienstag mitteilte. Zuvor hatten die Niederlande 18 russische Diplomaten wegen des Vorwurfs der Spionage - auch mit Blick auf Russlands Krieg gegen die Ukraine - ausgewiesen.

Zudem müssen zwölf Beschäftigte der belgischen Botschaft Russland verlassen. Auch Luxemburg wurde aus Protest gegen die Ausweisung eines russischen Diplomaten eine entsprechende Reaktion angekündigt. Von den Strafmassnahmen sind auch vier Mitarbeiter der österreichischen Botschaft betroffen. Das berichtete die Nachrichtenagentur DPA. Die Agentur AFP hatte zuvor berichtet, dass 36 Diplomaten aus Belgien und den Niederlanden betroffen seien. Die Botschafter aller betroffenen Länder wurden dazu ins Moskauer Aussenministerium einbestellt.

Immer wieder reagiert Russland in solchen Fällen mit der Ausweisung einer ähnlich hohen Zahl an Diplomaten. Deutschland hatte Anfang April 40 russische Diplomaten zu "unerwünschten" Personen erklärt. Eine Reaktion aus Moskau darauf steht noch aus.

Niederlande schicken schwerere Waffen in die Ukraine

16:24 Uhr: Die Niederlande werden die Ukraine mit schwereren Waffen wie Panzerfahrzeugen unterstützen. Ministerpräsident Mark Rutte teilte am Dienstag über Twitter mit, dass er dies dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in einem Telefongespräch zugesagt habe. Gemeinsam mit Verbündeten werde auch die "Lieferung von zusätzlichem schwereren Material" geprüft.

Verteidigungsministerin Kajsa Ollongren sagte dem TV-Sender NOS: "Im Krieg in der Ukraine beginnt eine neue Phase, nachdem Putin die Offensive im Donbass gestartet hat. Wir werden die Ukraine weiterhin unterstützen."

Kurz nach Ausbruch des Krieges hatten die Niederlande bereits Waffenhilfen zugesagt und ausser Munition, Gewehren und Radarinstallationen auch Luftabwehrgeschütze und Panzerfäuste in die Ukraine geschickt. In den vergangenen Wochen hatte die Regierung bewusst keine Mitteilungen mehr über Waffenhilfen veröffentlicht.

Polnischer Vize-Aussenminister fordert Deutschland zum Handeln auf

15:56 Uhr: Der polnische Vize-Aussenminister Szymon Szynkowski vel Sek hat Deutschland angesichts der russischen Offensive in der Ostukraine zum Handeln aufgefordert. Das Zögern der Bundesregierung, das er seit Wochen beobachte, sei enttäuschend, sagte Szynkowski vel Sek am Dienstag im RBB-Inforadio. Er fordere so schnell wie möglich - am besten sofort - ein Öl-, Gas- und Kohle-Embargo. Die Ukraine müsse auch mehr Waffen und eine konkrete EU-Beitrittsperspektive bekommen.

"Man muss auf diese Logik verzichten, dass wir jetzt nicht viel machen sollen, um Russland nicht zu provozieren", sagte der Vize-Aussenminister. "Russland ist ein Aggressor und die Ukraine ein Opfer. Wir als Europäische Union sind insofern auch ein Opfer, weil unsere zukünftige Sicherheit und Stabilität bedroht ist."

Deutschland werde seiner Führungsrolle in der Europäischen Union (EU) nicht gerecht, sagte er weiter. "Von führenden Staaten würde ich erwarten, insbesondere in einer Krise, ein wirklicher Leiter zu sein, ein Staat, der Entscheidungen trifft, denen andere Länder folgen." Szynkowski vel Sek fügte hinzu: "Das sehen wir von Deutschland leider nicht."

Moskau verkündet Feuerpause in Mariupol

15:39 Uhr: Die russischen Streitkräfte haben in der umkämpften ukrainischen Hafenstadt Mariupol am Dienstag eine einseitige Feuerpause verkündet. Zugleich öffneten sie nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau einen "humanitären Korridor" für ukrainische Kämpfer, die sich dort im Stahlwerk Asovtal verschanzt haben. Generaloberst Michail Misinzew appellierte an die Kämpfer, sich freiwillig in russische Gefangenschaft zu begeben. Die Ukrainer lehnen dies bislang strikt ab.

"Ich möchte besonders betonen, dass die russische Führung allen, die ihre Waffen niederlegen, das Leben, die völlige Sicherheit und medizinische Versorgung garantiert", sagte der Generaloberst.

Die ukrainischen Einheiten bekräftigten allerdings im Nachrichtenkanal Telegram mit, dass sie die Waffen nicht niederlegen, sondern weiter für die Verteidigung der Stadt kämpfen würden. Die Ukraine hatte bereits am Wochenende ein Ultimatum verstreichen lassen. Russland drohte mit der "Vernichtung" aller Kämpfer.

Nach dem von Kremlchef Wladimir Putin am 24. Februar befohlenen Angriff auf die Ukraine ist Mariupol seit Wochen ein Zentrum der Kämpfe. Prorussische Separatisten wollen die strategisch wichtige Stadt mit russischer Hilfe komplett unter ihre Kontrolle bringen. Nach russischen Angaben sollen sich rund 2.500 Kämpfer in dem Stahlwerk verschanzt haben. Zudem sollen dort viele Zivilisten Zuflucht gesucht haben.

Wenige Bürger anderer Staaten unter ukrainischen Kriegsflüchtlingen

15:21 Uhr: Unter den in Deutschland angekommenen Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine sind nur relativ wenige nicht-ukrainische Staatsangehörige. Wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der AfD-Fraktion hervorgeht, können seit dem 15. März Menschen mit anderen Staatsangehörigkeiten, die aus der Ukraine geflüchtet sind, gesondert erfasst werden. Bis zum 29. März seien insgesamt 3216 Ukraine-Flüchtlinge aus anderen Staaten erfasst worden, teilte die Bundesregierung mit.

Die Bundespolizei hat in Deutschland seit Kriegsbeginn etwa 360.000 Menschen, die aus der Ukraine geflüchtet waren, festgestellt.

Mehr als jeder Zehnte der nicht-ukrainischen Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine stammte den Angaben zufolge aus Nigeria (357 Flüchtlinge). Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge stellte zudem jeweils rund 200 Menschen aus Marokko, Afghanistan, Turkmenistan und Aserbaidschan fest. An Hochschulen in der Ukraine waren vor Beginn des russischen Angriffskriegs am 24. Februar laut Unesco mehr als 61.000 ausländische Studierende eingeschrieben.

Russland weist Diplomaten aus Belgien und Niederlanden aus

15:07 Uhr: Russland weist 36 europäische Diplomaten aus. 21 Diplomaten aus Belgien und 15 weitere aus den Niederlanden seien zu unerwünschten Personen erklärt worden, teilte das Aussenministerium in Moskau am Dienstag mit. Es handele sich um eine Vergeltungsmassnahme für die Ausweisung russischer Diplomaten im Zusammenhang mit Russlands Militäreinsatz in der Ukraine.

UN stellen sich auf sechs Millionen Bedürftige in Ukraine ein

15:01 Uhr: Angesichts der schweren Angriffe der russischen Truppen wird die Lage für die Menschen in der Ukraine nach Angaben des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen (WFP) immer schlimmer. Die UN-Organisation rechnet in dem Land inzwischen mit sechs Millionen Bedürftigen, wie der WFP-Nothilfekoordinator für die Ukraine, Jakob Kern, am Dienstag in einer Videoschalte aus der Grossstadt Lwiw im Westen des Landes berichtete.

Das WFP habe 60.000 Tonnen Lebensmittel bereitgestellt, was für zwei Millionen Menschen zwei Monate lang reiche. Ein Drittel davon sei in der Ukraine eingekauft worden. Es gebe zwar Nahrungsmittel, aber die Menschen kämen entweder nicht zu Märkten, Feldern oder Geschäften oder sie hätten kein Geld. Unter Bezug auf die früher grossen Getreideexporte aus der Ukraine sagte Kern: "Die Ukraine hat früher die Welt ernährt. Jetzt brauchen die Ukrainer Hilfe, um sich selbst zu ernähren."

Die UN-Agrarorganisation FAO geht davon aus, dass 20 Prozent der bepflanzten Felder im Juli nicht geerntet werden können. Agrarexperten schätzen, dass in diesem Frühjahr ein Drittel weniger Felder bepflanzt werden. Zusätzliches Problem sei, dass der Export der Lagerbestände stocke, weil die Häfen nicht zugänglich seien. So sei kein Platz für die diesjährige Ernte.

Geflüchtete Ukrainerin bringt Zwillinge in Bochum zur Welt

14:09 Uhr: Eine aus dem schwer umkämpften Charkiw geflüchtete Ukrainerin hat in Bochum Zwillinge zur Welt gebracht: zwei gesunde Jungen. Die 24-Jährige habe eine lange und beschwerliche Flucht hinter sich gebracht, um ihren Kindern eine sichere Geburt zu ermöglichen, berichtete das Katholische Klinikum Bochum am Dienstag. Sie sei vor dem Bombenhagel in der ostukrainischen Grossstadt rund 2400 Kilometer weit geflüchtet. Die Geburt im St. Elisabeth Hospital sei komplikationslos verlaufen.

"Wir sind alle sehr glücklich, dass es der Mutter und den Kindern gut geht und wir ihnen in der schlimmen Zeit, die die Ukraine derzeit durchlebt, ein wenig Heimat und Sicherheit bieten konnten", sagte der Chefarzt der Gynäkologie Peter Kern. Er hatte die Zwillinge auf die Welt geholt. Der jungen Mutter stand zudem eine weitere Ärztin begleitend zur Seite. Wann die 24-Jährige mit ihren kleinen Söhnen in ihre Heimat zurückkehren kann, sei offen. Das Klinikum habe ihr dafür bereits Hilfe angeboten.

Regierung von Fidschi will Superjacht beschlagnahmen

13:05 Uhr: Die Regierung des Inselstaats Fidschi im Südpazifik hat am Dienstag Vorkehrungen dafür getroffen, die Superjacht "Amadea" am Auslaufen aus dem Hafen von Lautoka zu hindern. Die Justiz forderte die "Amadea", die einem russischen Oligarchen gehören könnte, auf, das Hoheitsgebiet des Inselstaats nicht zu verlassen, bis die Vollmachten zur Beschlagnahme durch die örtlichen Behörden und die US-Behörden vorlägen.

Die Jacht wurde in einigen Berichten mit dem russischen Oligarchen Suleiman Kerimow in Verbindung gebracht. Kerimow steht wegen des russischen Angriffskriegs in der Ukraine auf Sanktionslisten der USA und der EU.

Der Wert der "Amadea" wird von der website superyachtfan.com auf 325 Millionen Dollar geschätzt. Auf verschiedenen Listen wird Kerimow als Eigner der "Amadea" geführt; eine offizielle Bestätigung dafür gibt es nicht.

Verstärkte russische Luftangriffe im Osten der Ukraine

12:51 Uhr: Die russischen Luftstreitkräfte haben nach Angaben des Moskauer Verteidigungsministeriums seit Montag 60 militärische Objekte der Ukraine bombardiert. Darunter seien zwei ukrainische Lager für "Totschka-U"-Raketen südöstlich der umkämpften Stadt Charkiw gewesen, sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, am Dienstag in Moskau. Südwestlich von Charkiw sei ein ukrainisches Kampfflugzeug vom Typ MIG-29 abgeschossen worden. Mit Artillerie seien im Laufe der Nacht insgesamt 1.260 Militärobjekte in der Ukraine beschossen worden. Von unabhängiger Seite liessen sich die Angaben zunächst nicht überprüfen.

In der Nacht seien ukrainische Stellungen im Donbass und der Region Charkiw aus der Luft mit Präzisionsraketen angegriffen worden, hiess es weiter. Dabei wurden nach russischen Angaben auch Truppenansammlungen und Militärgerät der ukrainischen Streitkräfte nahe den Ortschaften Barwinkowe, Slowjansk und Popasna beschossen.

Die russische Armee hatte zuvor im Osten der Ukraine nach Angaben aus Kiew den erwarteten Grossangriff gestartet. Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte am Montagabend gesagt, die russischen Truppen hätten die lange vorbereitete Schlacht um den Donbass begonnen.

Ifo-Institut: Jährlich 25 Milliarden Euro zusätzlich für Bundeswehr nötig

12:23 Uhr: Um zwei Prozent der Wirtschaftsleistung für Verteidigung auszugeben, müsste der Etat der Bundeswehr nach Berechnungen des Ifo-Instituts deutlich aufgestockt werden. Jährlich müsste Deutschland demnach 25 Milliarden Euro zusätzlich ausgeben, wie das Ifo-Institut am Dienstag mitteilte. Für 2022 seien rund 50,3 Milliarden Euro für die Verteidigung vorgesehen, dies entspreche 1,3 Prozent der Wirtschaftsleistung. Hinzu kommt das Sondervermögen von 100 Milliarden Euro.

Diese zusätzlichen Mittel seien zwar "gut und richtig", reichten jedoch "angesichts des russischen Angriffs auf die Ukraine und der Zeitenwende im Sicherheitsverständnis in Europa dauerhaft nicht aus", erklärte Ifo-Forscher Florian Dorn. So werde die nominelle Erhöhung des Wehretats von deutlichen 7,2 Prozent im Jahr 2022 fast vollständig von der Inflation aufgefressen. Gemessen an der Wirtschaftsleistung sinke der Wehretat selbst bei einer pessimistischen Konjunkturprognose.

"Das einmalige Sondervermögen wird keinesfalls ausreichen, die entstandene Finanzierungslücke der vergangenen Jahre vollständig aufzufangen", erklärte Dorn weiter. Neben Investitionen in Material müssten zudem effizientere Strukturen aufgebaut werden. Es gehe "nicht nur darum, mehr Geld einzusetzen, sondern auch darum, die Mittel besser zu verwenden".

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte unter dem Eindruck des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine angekündigt, dass Deutschland künftig zwei Prozent seiner Wirtschaftsleistung für Verteidigung ausgeben soll. Dieses Ziel hat die Nato vorgegeben.

Verwirrung um SPD-Treffen mit Melnyk

11:49 Uhr: Ein Tweet der SPD-Vorsitzenden Saskia Esken hat in Berlin für Diskussionen gesorgt: Die Parteivorsitzende hatte am Dienstagmorgen in dem sozialen Netzwerk ein Foto von sich, ihrem Co-Vorsitzenden Lars Klingbeil und dem ukrainischen Botschafter Andrijy Melnyk gepostet. Dazu schrieb sie: "Gerade in Zeiten, in denen uns die Herzen schwer sind und die Debatten manchmal hitzig, ist es umso wertvoller, das offene und vertrauensvolle Gespräch zu pflegen."

Esken erweckte damit den Eindruck, dass sie und Klingbeil sich mit Melnyk getroffen hat. Offenbar hat das Treffen aber noch gar nicht stattgefunden, sondern ist erst für den Mittwoch geplant. Wie der "Bild"-Journalist Paul Ronzheimer berichtete, handelt es sich um ein altes Foto.

Melnyk bestätigte, dass das Treffen noch nicht stattgefunden hat: Er schrieb auf Twitter, er bedanke sich für die Einladung und freue sich auf das "morgige Treffen".

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Polens Grenzschutz zählt mehr als 2,8 Millionen Einreisen aus Ukraine

11:21 Uhr: Seit Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine haben sich knapp 2,84 Millionen Menschen von dort ins Nachbarland Polen in Sicherheit gebracht. Das teilte der polnische Grenzschutz am Dienstag auf Twitter mit. Am Montag kamen rund 20.000 Flüchtlinge - ein Anstieg um 16 Prozent im Vergleich zum Tag zuvor.

In Richtung Ukraine überquerten am Montag 14.400 Menschen die Grenze. Insgesamt sind seit Beginn des Krieges am 24. Februar 738.000 Menschen von Polen aus in die Ukraine eingereist. Dabei handelte es sich nach Angaben der Behörden zum Grossteil um ukrainische Staatsbürger. Sie reisen meist in Gebiete, die die ukrainische Armee zurückerobert hat. Es gibt keine offiziellen Angaben, wie viele der Kriegsflüchtlinge in Polen geblieben und wie viele in andere EU-Staaten weitergereist sind.

Die Ukraine hatte vor dem russischen Einmarsch am 24. Februar mehr als 44 Millionen Einwohner. Polen und die Ukraine verbindet eine mehr als 500 Kilometer lange Grenze.

Separatisten: Erstürmung des Stahlwerks in Mariupol hat begonnen

11:01 Uhr: In der umkämpften ukrainischen Hafenstadt Mariupol hat am Dienstag nach Angaben prorussischer Separatisten die Erstürmung des Stahlwerks Asovstal begonnen. In dem Stahlwerk sollen sich nach russischen Angaben rund 2.500 Kämpfer verschanzt haben, darunter auch 400 ausländische Söldner.

Ukrainischen Medien zufolge sollen in dem Werk noch rund 1.000 Zivilisten ausharren, unter ihnen auch Frauen und Kinder. Ukrainische Medien hatten wiederholt nicht überprüfbare Bilder auch von Kindern gezeigt, die sich in dem Werk aufhalten sollen.

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Dritter Tag in Folge ohne Fluchtkorridore

10:45 Uhr: Wegen der russischen Offensive im Osten der Ukraine sind nach Regierungsangaben aus Kiew den dritten Tag in Folge keine Fluchtkorridore für die umkämpften Orten eingerichtet worden. "Der intensive Beschuss im Donbass geht weiter", teilte Vizeregierungschefin Iryna Wereschtschuk am Dienstag mit. Sie warf Russland zudem vor, in der besonders umkämpften Hafenstadt Mariupol trotz Bitten keinen humanitären Korridor für Zivilisten in Richtung der Berdjansk bereitzustellen.

"Wir setzen die schwierigen Verhandlungen über die Öffnung der humanitären Korridore in den Gebieten Cherson und Charkiw fort", schrieb Wereschtschuk in ihrem Nachrichtenkanal in dem sozialen Netzwerk Telegram. Die Behörden hatten zuletzt in verschiedenen Städten im Osten der Ukraine beklagt, wegen der Gefahr durch Beschuss keine Menschen mehr aus den umkämpften Gebieten in Sicherheit bringen zu können.

Zuletzt waren am Samstag knapp 1500 Menschen über derartige Routen in sichere Gebiete gelangt. Den Vereinten Nationen zufolge haben seit Beginn des russischen Angriffskrieges etwa fünf Millionen Menschen das Land verlassen. Mehrere Millionen sind im Land auf der Flucht. Parallel dazu kehren auch immer mehr Menschen ins Land zurück.

FDP-Generalsekretär Djir-Sarai fordert Lieferung schwerer Waffen: "Die Zeit drängt"

10:24 Uhr: Der designierte FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai hat angesichts der russischen Grossoffensive im Osten der Ukraine eine zügige Entscheidung zur Lieferung von schweren Waffen gefordert. "Die Zeit drängt", sagte Djir-Sarai am Dienstag im "Deutschlandfunk".

Er gehe davon aus, dass der Krieg in den kommenden Tagen noch grausamer werde. "Dementsprechend braucht die Ukraine nicht nur unsere volle Unterstützung und Solidarität, sondern auch konkrete Hilfe, und aus meiner Sicht sind Waffenlieferungen, beziehungsweise schwere Waffen, hier ein notwendiger Weg."

Die Entscheidung über die Lieferung schwerer Waffen müsse zeitnah getroffen werden. "Ich gehe auch davon aus, dass diese Entscheidung in den nächsten Tagen zustande kommen wird", sagte der FDP-Politiker. Fakt sei, dass etwas geschehen müsse.

Deutschland hat bisher unter anderem Panzerfäuste, Luftabwehrraketen und Maschinengewehre geliefert, ausserdem Fahrzeuge, Nachtsichtgeräte und Schutzausrüstung. Die Ukraine fordert aber auch schwere Waffen wie Kampfpanzer, Artilleriegeschütze und Kampfhubschrauber. Unionspolitiker, aber auch Vertreter der Ampel-Parteien von Grünen und FDP hatten Bundeskanzler Scholz (SPD) wiederholt Zaudern bei der Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine vorgeworfen.

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Neben Lwiw hat Russlands Armee im Krieg gegen die Ukraine am Ostermontag auch Kiew, Mariupol und Dnipro bombardiert. © ProSiebenSat.1

Wirtschaftswissenschaftler fordern weltweites Oligarchen-Register

09:36 Uhr: Führende Wirtschaftswissenschaftler wie Joseph Stiglitz aus den USA oder Thomas Piketty aus Frankreich haben die G20-Staaten aufgefordert, ein weltweites Register versteckter Vermögen zu schaffen. In einem offenen Brief in der britischen Zeitung "Guardian" schrieben sie, angesichts der Fortschritte der vergangenen Jahre beim Aufdecken etwa von Steuerhinterziehung und Geldwäsche sei es "Zeit für ein weltweites Vermögensregister".

Der Brief ist von Mitgliedern der unabhängigen Kommission für die Reform der weltweiten Steuergesetzgebung unterschrieben, einer Denkfabrik. Mit Blick auf Russland und den Ukraine-Krieg heisst es in dem offenen Brief, russische Oligarchen hätten schätzungsweise "mindestens eine Billion Dollar" im Ausland gebunkert, "oftmals versteckt in ausländischen Unternehmen, deren wahre Besitzer schwer zu ermitteln sind". Die Staaten stünden hier vor einer "Mauer der Undurchsichtigkeit".

Die Finanzminister der G20 kommen am Mittwoch am Rande der Frühjahrstagung der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington zusammen. Erwartet wird, dass auch Vertreter Russlands per Videokonferenz an einigen der Sitzungen im Rahmen des G20-Treffens teilnehmen. US-Ministerin Janet Yellen will in diesem Fall diesen Sitzungen fernbleiben. Auch Vertreter anderer Industrienationen erwägen offenbar einen Boykott der Sitzungen mit russischen Vertretern.

Union droht mit Antrag zu deutschen Waffenlieferungen

08:44 Uhr: Die Union erhöht den Druck auf Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), schwere Waffen an die Ukraine zu liefern. Die CDU/CSU-Fraktion droht damit, notfalls selbst im Bundestag einen Vorstoss zu unternehmen. "Wir wollen die Bundesregierung in dieser Krise unterstützen", schrieb Unionsfraktionsvize Johann Wadephul (CDU) auf Twitter. Sollte sich Scholz bei der Frage von Waffenlieferungen aber nicht bewegen, müsse er dazu in der nächsten Woche mit einem Antrag von CDU und CSU im Bundestag rechnen.

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Die strategisch wichtige ukrainische Hafenstadt Mariupol wird nach wochenlanger Belagerung weiter beschossen. Die in der Stadt verbliebenen ukrainischen Truppen leisten heftigen Widerstand und sollen sich in einem Stahlwerk verschanzt haben. © ProSiebenSat.1

Unionspolitiker, aber auch Koalitionsvertreter von Grünen und FDP haben Scholz wiederholt Zaudern bei der Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine vorgeworfen. CDU-Aussenpolitiker Roderich Kiesewetter sagte am Dienstag im ZDF-"Morgenmagazin, er halte sehr viel davon, dass die Bundesregierung die Ukraine mit Geld unterstütze. "Aber man darf sich nicht freikaufen", betonte er. "Es geht wirklich darum, Schützenpanzer, Artilleriesysteme zu liefern." Hier gebe es mehrere Möglichkeiten.

Wadepuhl hielt der Bundesregierung im Gespräch mit der "Welt" (Print Dienstag) vor, die Öffentlichkeit mit der Zusage weiterer finanzieller Militärhilfe zu täuschen. "An Geld hat es der Ukraine - schon wegen der EU-Gelder - nicht gefehlt. Die Erhöhung der Mittel ist daher nur ein schlimmes Ablenkungsmanöver", sagte er. Im Kern gehe es vielmehr um Frage, ob Deutschland einen Export schwerer Waffen erlaube. "Olaf Scholz muss jetzt Farbe bekennen und im wahrsten Sinne des Wortes "liefern"", so Wadephul. Scholz sei "mitverantwortlich für die Wehrlosigkeit der Ukraine".

Deutschland hat bisher unter anderem Panzerfäuste, Luftabwehrraketen und Maschinengewehre geliefert, ausserdem Fahrzeuge, Nachtsichtgeräte und Schutzausrüstung. Die Ukraine fordert aber auch schwere Waffen wie Kampfpanzer, Artilleriegeschütze und Kampfhubschrauber.

Nach Gräueltaten in Butscha: Putin ehrt russische Soldaten

07:55 Uhr: Nach dem Abzug russischer Truppen aus der ukrainischen Stadt Butscha hat Präsident Wladimir Putin Soldaten geehrt, die dort im Einsatz waren. Der Kremlchef würdigte die 64. Motorschützenbrigade am Montag in Moskau für besondere Verdienste, Heldentum und Tapferkeit, wie der Kreml mitteilte. Die Bilder getöteter ukrainischer Zivilisten aus der Vorortgemeinde der Hauptstadt Kiew hatten Anfang des Monats rund um die Welt für Entsetzen gesorgt. Insgesamt wurden in Butscha mehr als 400 Leichen gefunden, teils mit auf den Rücken gebundenen Händen.

Die Ukraine wirft den russischen Soldaten deshalb schwerste Kriegsverbrechen vor. Der ukrainische Geheimdienst sprach von "Massenmord", den die Angehörigen der 64. Motorschützenbrigade der 35. Armee der Russischen Föderation begangen hätten. Russland bestreitet, etwas mit den Gräueltaten zu tun zu haben. Inzwischen laufen internationale Ermittlungen. Es gibt zahlreiche Forderungen, die Verantwortlichen vor ein internationales Gericht zu stellen.

Putin lobte nach Angaben des Kremls "versierte und entschlossene Handlungen" der Soldaten im Zuge der "militärischen Spezial-Operation", wie der Krieg in Russland genannt wird. Sie hätten auf vorbildliche Weise Mut und hohen Professionalismus gezeigt. "Ich bin überzeugt, dass ihr Soldaten und Offiziere Gardisten seid, weiter dem Eid die Treue halten werdet, der Heimat mit Ehre dient und verlässlich die Sicherheit und das friedliche Leben unserer Bürger schützt", wurde der Präsident zitiert.

Russische Armee verlangt von den Verteidigern Mariupols: "Ergebt euch"

Die Situation in der Hafenstadt Mariupol ist ukrainischen Angaben zufolge äusserst ernst. Moskau ruft die verbliebenen ukrainischen Kämpfer erneut dazu auf, sich zu ergeben. © ProSiebenSat.1

UNO will "humanitäre Kontaktgruppe" diskutieren

07:26 Uhr: Die UNO will zusammen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan die Einrichtung einer "humanitären Kontaktgruppe" unter Beteiligung der Ukraine und Russlands diskutieren. Eine solche Gruppe würde "von den Vereinten Nationen einberufen, um jederzeit auf virtueller oder tatsächlicher Basis humanitäre Fragen zu erörtern", sagte der UN-Koordinator für humanitäre Hilfe, Martin Griffiths, am Montag.

Dabei könne es um die Überwachung des Waffenstillstands, die sichere Durchreise, Fluchtkorridore oder andere Fragen zwischen den beiden Kriegsparteien gehen. Die Türkei sei auch an den Bemühungen beteiligt, etwa 800 Menschen aus der belagerten Stadt Mariupol am Asowschen Meer zu retten, sagte der UN-Beamte.

Griffiths gab an, für das Treffen in dieser Woche in die Türkei reisen zu wollen. Kurz nach seiner Ankündigung wurde er jedoch positiv auf Corona getestet, womit die Reise nach Angaben seines Teams auf ein unbestimmtes Datum verschoben werden muss. Griffiths und UN-Generalsekretär António Guterres hatten am Sonntag noch mit Erdogan telefoniert, um die Initiative zu besprechen.

Japan liefert Ukraine Schutzausrüstung gegen Chemiewaffen

07:00 Uhr: Japan wird der Ukraine Schutzmasken und -kleidung gegen chemische Waffen zur Verfügung stellen. Das kündigte der japanische Verteidigungsminister Nobuo Kishi am Dienstag an. Ausserdem werde man der Ukraine in ihrem Verteidigungskampf gegen Russland kommerzielle Drohnen zur Aufklärung bereitstellen. Damit komme man einer Anfrage der Regierung in Kiew nach.

Der Schritt erfolgt angesichts wachsender Besorgnis über den Einsatz chemischer Waffen durch russische Truppen. "Wir werden der ukrainischen Regierung weiter so viel Unterstützung wie möglich zukommen lassen", so Kishi. Kürzlich hatte Japan bereits schusssichere Westen, Helme und Winterkampfkleidung bereitgestellt.

Als Teil der gegen Moskau verhängten Wirtschaftssanktionen setzte Japan am Dienstag ein Importverbot für 38 Waren aus Russland in Kraft, darunter Wodka und einige Holzprodukte. Die verbotenen Produkte machten gut ein Prozent der Importe aus Russland aus, berichtete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo. Japan handelt bei den verschäften Sanktionen gegen Russland im Einklang mit dem Westen.

Wüst: "SPD hat ein nachhaltiges Putin-Problem"

06:38 Uhr: Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) hat das Verhalten der SPD und von Bundeskanzler Olaf Scholz im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg scharf kritisiert. "Die SPD hat für jeden erkennbar ein nachhaltiges Putin-Problem", sagte Wüst der "Rheinischen Post" (Dienstag) mit Blick auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin. "Die zu grosse Nähe der Vergangenheit scheint die Sozialdemokraten bis heute zu lähmen, dabei müssten sie endlich klar gegenüber dem Aggressor Russland auftreten", so Wüst.

"Mit der gebremsten und zu späten Unterstützung der Ukraine isoliert die SPD Deutschland von Tag zu Tag mehr in Europa. Noch nie war Deutschland in einer internationalen Krise so abgekapselt und teilnahmslos", sagte Wüst. "Grüne und FDP haben recht: der Zauder-Kurs der SPD und des Kanzlers muss ein Ende haben, die Ukraine darf nicht im Stich gelassen werden. Das gilt auch für die militärische Unterstützung", sagte Wüst. "Eine stärkere Abwehr der Ukraine gegen die russische Aggression stärkt auch die Sicherheit Deutschlands und verhindert eine weitere Eskalation zwischen Russland und der Nato. So sichern wir auch Frieden."

Unionspolitiker, aber auch Vertreter der Ampel-Parteien von Grünen und FDP hatten Bundeskanzler Scholz (SPD) wiederholt Zaudern bei der Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine vorgeworfen.

IG Bau: Geflüchtete aus der Ukraine nicht als billige Arbeitskräfte ausnutzen

04:00 Uhr: Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) hat davor gewarnt, Geflüchtete aus der Ukraine als billige Arbeitskräfte auszunutzen. Wie die Gewerkschaft am Dienstag in Frankfurt am Main mitteilte, suchen Firmen händeringend nach Personal, sei es auf dem Bau, in der Landwirtschaft oder in der Gebäudereinigung. "Manche Chefs wollen die oft gut qualifizierten Geflüchteten lieber heute als morgen einstellen - aber oft zu schlechten Bedingungen", sagte Gewerkschaftschef Robert Feiger der Deutschen Presse-Agentur. Als Beispiel nannte er Saisonkräfte in der Landwirtschaft, die bis zu 70 Tage lang keinen Sozial- und Krankenversicherungsschutz hätten.

Kein Unternehmen dürfe jetzt die Lage der Menschen, die in Deutschland Schutz suchen, ausnutzen. "Beschäftigte zweiter Klasse darf es nicht geben", so Feiger. Selbst wenn nur ein kleiner Teil der Geflüchteten in Deutschland bliebe, müssten jetzt die Weichen für die Integration am Arbeitsmarkt gestellt werden. Wichtig seien die Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse, ein vereinfachter Zugang zu Sprachkursen sowie mehr Anstrengungen bei der Kinderbetreuung.

Pentagon: Erste Waffen aus neuem Hilfspaket der USA in der Ukraine angekommen

02:34 Uhr: Die ersten Waffenlieferungen aus dem neuen militärischen Hilfspaket der USA für die Ukraine sind an den Grenzen des Landes eingetroffen. Vier Flugzeuge hätten am Sonntag militärisches Gerät für die Ukraine angeliefert, teilte am Montag ein hochrangiger Vertreter des US-Verteidigungsministeriums mit, der nicht namentlich zitiert werden wollte. Ein fünfter Flug werde in Kürze folgen.

Das Weisse Haus hatte die neuen Militärhilfen im Volumen von 800 Millionen Dollar (rund 737 Millionen Euro) für den Kampf der ukrainischen Streitkräfte gegen die russischen Invasionstruppen am Mittwoch angekündigt. Zu dem neuem Hilfspaket gehören 18 155-Millimeter-Haubitzen, 200 gepanzerte Personentransporter vom Typ M113, elf Mi-17-Hubschrauber, 100 weitere Panzerfahrzeuge sowie Artilleriemunition.

Pentagon-Sprecher John Kirby sagte, an der Ostflanke der Nato stationierte US-Soldaten sollten "in den nächsten paar Tagen" damit beginnen, ukrainische Militärs im Gebrauch der 155-Millimeter-Haubitzen auszubilden. Diese Waffen liefern die USA das erste Mal an die Ukraine. Bei den 155-Millimeter-Haubitzen handelt es sich um die modernste Version dieser Waffenart.

Das Weisse Haus teilte unterdessen mit, dass Biden nicht vorhabe, in die Ukraine zu reisen. Es gebe keine derartigen Pläne, bekräftigte Bidens Sprecherin Jen Psaki. Der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj hatte am Sonntag im Interview mit dem US-Fernsehsender CNN die Erwartung geäussert, dass der US-Präsident sein Land besuchen werde.

Die US-Regierung will stattdessen laut eigener Ankündigung einen anderen hochrangigen Vertreter in die Ukraine entsenden. Dabei dürfte es sich um Aussenminister Antony Blinken oder Verteidigungsminister Lloyd Austin handeln.

Ukraine-Krieg - Butscha
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Chronologie: Wie es zur Eskalation in der Ukraine kam und was seither geschah

Seit sich in der Ukraine vor acht Jahren prowestliche Kräfte durchgesetzt haben, hat sich der Konflikt mit Russland stetig zugespitzt. Jetzt führt Russland landesweit Krieg. Die Chronologie einer Eskalation.

BKA: 200 Straftaten pro Woche im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine

01:37 Uhr: Das Bundeskriminalamt (BKA) registriert pro Woche in Deutschland rund 200 Straftaten in Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine. Die Delikte richteten sich "mehrheitlich gegen russischstämmige, aber auch gegen ukrainischstämmige Mitglieder unserer Gesellschaft", sagte BKA-Präsident Holger Münch dem "Tagesspiegel" (Dienstag) aus Berlin. Es handele sich vorrangig um Delikte wie Bedrohungen, Beleidigungen und Sachbeschädigungen.

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine dauert inzwischen seit mehr als sieben Wochen. Die Bundespolizei hat in Deutschland seit Beginn der Kämpfe mehr als 350 000 Flüchtlinge erfasst. Vermutet wird, dass die tatsächliche Zahl deutlich höher liegt.

Menschenrechtsbeauftragte warnt vor Boykott russischer Kultur

01:03 Uhr: Die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Luise Amtsberg, hat vor einem Boykott russischer Kultur in Deutschland gewarnt. "Es wäre die falsche Konsequenz aus Putins Krieg, nicht mehr in russische Restaurants zu gehen oder russische Kunst und Kultur zu boykottieren", sagte die Grünen-Politikerin der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ). "Redet miteinander, auch im Kunst- und Kulturbereich, und sorgt dafür, dass nicht alle Russinnen und Russen gemein gemacht werden mit diesem Angriffskrieg."

Zur Ablehnung russischer Literatur in manchen Läden sagte Amtsberg: "Auch dass anscheinend Geschäfte die Werke der Schriftsteller Dostojewski und Tolstoi aus dem Regal nehmen, finde ich völlig falsch. Putin allein ist nicht Russland, und erst recht ist er nicht Sinnbild russischer Kultur." Es sei auch "schlichtweg falsch, Russinnen und Russen in irgendeiner Weise feindlich zu begegnen oder sie für den Krieg verantwortlich zu machen".

Klitschko: Kiew weiter von russischen Angriffen bedroht

00:49 Uhr: Die ukrainische Hauptstadt Kiew ist nach Einschätzung von Bürgermeister Vitali Klitschko weiterhin von russischen Angriffen bedroht. "Kiew war und bleibt ein Ziel des Aggressors", teilte Klitschko am Montagabend per Telegram mit. Er rate den geflohenen Einwohnern der Metropole dringend, lieber an einem sichereren Ort zu bleiben. "Aufgrund der militärischen Daten und der jüngsten Entwicklungen können wir nicht ausschliessen, dass Kiew weiterhin von Raketenangriffen bedroht ist", meinte Klitschko. Auf einige Bezirke seien zuletzt Raketen abgefeuert worden. "Daher können wir die Sicherheit in der Stadt nicht garantieren." Es gebe weiterhin viele Kontrollpunkte in Kiew und auch eine nächtliche Ausgangssperre.

Ukraine meldet Tote und Verletzte nach Beschuss von Charkiw

00:27 Uhr: Beim Beschuss der ostukrainischen Grossstadt Charkiw sind ukrainischen Angaben zufolge 3 Menschen getötet und 15 verletzt worden, darunter ein 14 Jahre altes Kind. "Die Granaten fielen direkt vor Häuser, auf Kinderspielplätze und in die Nähe von humanitären Hilfsstellen", teilte der Gouverneur des Gebiets, Oleh Synjehubow, am Montagabend mit. Er warf der russischen Armee einen Angriff auf Zivilisten vor. Ärzte und Rettungskräfte seien rund um die Uhr im Einsatz, um die Folgen des Beschusses zu beseitigen, hiess es.

Von unabhängiger Seite liessen sich die Angaben zunächst nicht prüfen. Russland führt seit über sieben Wochen einen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Am Montag sollen die russischen Truppen nach Angaben aus Kiew mit einem Grossangriff im Osten des Landes begonnen haben.

Auch aus der südukrainischen Stadt Mykolajiw wurden am Abend mutmassliche Raketeneinschläge gemeldet. "In Mykolajiw kam es zu mehreren Explosionen. Wir sind dabei, die Situation zu untersuchen", teilte Bürgermeister Olexander Senkewytsch mit.

Die Meldungen zum Krieg in der Ukraine vom 18. April finden Sie hier

Mit Material von dpa, AFP, APA