• Die Gruppenphase in Champions League und Europa League ist beendet – erfreulich beendet für die deutschen Mannschaften.
  • In beiden Europapokal-Wettbewerben haben alle Bundesliga-Teams die K.-o.-Phase erreicht.
  • Eine Analyse der deutschen Auftritte auf internationaler Bühne.

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Minuten des Hoffens und Zitterns, als das Spiel gegen Real Madrid 0:2 verloren war und die Spieler von Borussia Mönchengladbach kniend und bückend um einen Laptop herum standen. In der Kälte und Stille von Madrid – bis die Jubelschreie aus ihnen herausbrachen. Gladbach steht im Achtelfinale der Champions League.

Gladbach zittert sich weiter: Der Überraschungsgast der Achtelfinal-Party

Borussia Mönchengladbach: Champions League Gruppe B, 2. Platz, 8 Punkte (zwei Punkte hinter Real Madrid)

Mögliche Achtelfinal-Gegner: Manchester City, FC Liverpool, FC Chelsea, Juventus Turin, Paris Saint-Germain

Diesen Moment hätte im Sommer wohl kaum ein Gladbach-Fan für möglich gehalten: In einer Gruppe mit Real Madrid, Inter Mailand und Schachtar Donezk zogen die Fohlen ins Achtelfinale ein. Kapitän Lars Stindl gab sich selbstkritisch. "Wahnsinn, es war eigentlich unser schwächstes Spiel in der Vorrunde und wir kommen trotzdem weiter", sagte er und fügte hinzu: "Das haben wir uns verdient mit unseren starken Leistungen zuvor."

Was er meint: Gladbachs starke Leistung im Hinspiel gegen Real, als sie bis zur 87. Minute mit 2:0 führten und erst in der dritten Minute der Nachspielzeit das 2:2 kassierten. Gegen Donezk feierte die Mannschaft von Marco Rose zwei wahre Torfeste (6:0, 4:0). Zur Wahrheit gehört aber auch: Der Bundesliga-Siebte verlor gleich noch ein Spiel, gegen Inter Mailand (2:3).

FC Bayern souverän: Auch die Jugendspieler dürfen in der Königsklasse ran

FC Bayern: Champions League Gruppe A, 1. Platz, 16 Punkte (sieben Punkte mehr als das zweitplatzierte Atletico Madrid)

Mögliche Achtelfinal-Gegner: FC Porto, Atalanta Bergamo, FC Sevilla, Lazio Rom, FC Barcelona

Mit welcher Übermacht der FC Bayern die Gruppenphase bestritt, zeigte sich an der Aufstellung im Rückspiel gegen Atletico Madrid. Bright Akwo Arrey-Mbi und Jamal Musiala standen in der Startelf, Chris Richards und Angelo Stiller wurden eingewechselt. Top-Torjäger Robert Lewandowski war nicht einmal mitgereist. Der FC Bayern war am fünften Spieltag schon für das Achtelfinale qualifiziert.

Durch das Unentschieden gegen Atletico war die Gruppenphase nur die zweitbeste der Bayern – vergangene Saison gewannen die Roten alle sechs Spiele. Der Vorsprung auf Atletico betrug immer noch sieben Punkte. Ein passendes Ende eines erfolgreichen Champions-League-Jahres, sagte Niklas Süle nach dem 2:0 am vergangenen Mittwoch gegen Lokomotive Moskau: "Ich bin sehr glücklich, dass wir heute die Gruppe mit einem Sieg abgeschlossen haben, weil wir 2020 in diesem Wettbewerb einfach unglaublich stark waren." Stark soll es weitergehen – das Achtelfinale ist für die Bayern erst der Anfang.

Rassismusvorwurf: Partie zwischen PSG und Basaksehir abgebrochen

Nach einem Rassismusvorwurf gegen den Vierten Offiziellen ist das Champions-League-Spiel zwischen dem französischen Fussball-Meister Paris Saint-Germain und Basaksehir aus Istanbul abgebrochen worden. Die Partie wird am Mittwochabend fortgesetzt.

BVB ist Gruppensieger, doch souverän ist anders

Borussia Dortmund: Gruppe F, 1. Platz, 13 Punkte (drei Punkte mehr als Lazio Rom auf Platz zwei)

Mögliche Achtelfinal-Gegner: Atletico Madrid, FC Porto, FC Barcelona, FC Sevilla, Atalanta Bergamo

Die Aussage von BVB-Trainer Lucien Favre nach dem 2:1-Sieg gegen Zenit St. Petersburg trifft den Dortmunder Gemütszustand: "Wir müssen akzeptieren, dass es schwierig ist. Wir dürfen nicht immer träumen." Gegen die Russen lag der BVB zurück, sorgte mit einem Doppelschlag in der zweiten Halbzeit für die eher späte Befreiung. "Es war nicht glorreich", gab Kapitän Marco Reus zu. "Das war ein dreckiger Sieg." Toptorjäger Erling Haaland fehlte mit einem Muskelfaserriss.

Nach missratenem Start in die Gruppenphase, einem 1:3 gegen Lazio Rom, gewann der BVB immerhin die Spiele gegen Brügge und St. Petersburg – eher schwache Gegner. Favres Resümee: "Wir sind sehr zufrieden. Es hat viel, viel Energie gekostet." Die Dortmunder täten gut daran, im neuen Jahr ihre Leichtigkeit wiederzufinden.

RB Leipzig beeindruckt gegen Hochkaräter

RB Leipzig: Gruppe H, 2. Platz, 12 Punkte (punktgleich mit Gruppensieger PSG)

Mögliche Achtelfinal-Gegner: Manchester City, FC Liverpool, FC Chelsea, Juventus Turin, Real Madrid

Mit Manchester United und Paris Saint-Germain bekam es RB Leipzig in der Gruppenphase mit zwei europäischen Glanzlichtern zu tun. Dass RB in dieser Gruppe weiterkommt, glaubten nicht viele. Doch die "Bullen" sind tatsächlich weiter und beförderten die "Red Devils" in die Europa League – mit einem 3:2-Sieg im direkten Duell am letzten Spieltag. Vor dem Spiel hatte Trainer Julian Nagelsmann die K.-o.-Phase ausgerufen. Bei Sky sagte er, das Team habe durch den Halbfinaleinzug in der vergangenen CL-Saison "Blut geleckt". Und: "Das würden wir gerne wiederholen." Der erste Schritt ist getan.

Doch so euphorisch die Leipziger über das Weiterkommen sind, so niederschmetternd war die 0:5-Pleite im Hinspiel gegen Manchester. Letztlich bewies RB, dass ihnen grosse Namen keine Angst einflössen. Das war zu Beginn der Saison nicht unbedingt erwartbar.

Bayer Leverkusen: Torrekord in der Gruppenphase

Bayer Leverkusen: Europa League Gruppe C, 1. Platz, 15 Punkte (3 Punkte vor Slavia Prag)

Dass Bayer Leverkusen in der Zwischenrunde steht, wundert wohl niemanden. Aber wie – das erstaunt doch. Mit einem Torrekord zog Leverkusen in die K.-o.-Phase der Europa League ein: Keine andere deutsche Mannschaft hat in diesem Wettbewerb mehr Tore als Leverkusen, nämlich 21, in einer Gruppenphase erzielt. Bestwert auch im laufenden Wettbewerb.

Torjäger Leon Bailey sagte nach dem 4:0-Statement gegen Slavia Prag: "Es war eine grossartige Teamleistung ohne Gegentor." Der Jamaikaner traf bereits fünfmal in dieser Saison in der Europa League. Er fügte hinzu: "Wir wollen dieses Jahr grosse Dinge schaffen."

Angesichts der Harmonie, dem perfekten Zusammenspiel von Offensive und Defensive und der Leichtigkeit, mit der Trainer Peter Bosz die Ausfälle kompensiert, ist der Werkself zuzutrauen, dass sie weit kommt in der Europa League. Die starke Form beweist Bayer auch mit seinem zweiten Platz in der Bundesliga.

TSG 1899 Hoffenheim: Gruppenphase ungeschlagen beendet

TSG 1899 Hoffenheim: Europa League Gruppe L, 1. Platz, 16 Punkte (5 Punkte vor Roter Stern Belgrad)

Auch die TSG Hoffenheim zeigte, wie viel Spass sie am europäischen Wettbewerb hat – und schoss zum Gruppenfinale KAA Gent mit 4:1 ab. Dabei schonte Trainer Sebastian Hoeness seine Stammkräfte. Hoffenheim beendet die Gruppenphase ungeschlagen mit 17 Toren und nur zwei Gegentoren.

Überraschend ist der Einzug in die K.-o.-Phase bei den Gegnern (Gent, Roter Stern Belgrad, Slovan Liberec) nicht. Das bedeutet: Die Kraichgauer müssen jetzt zeigen, was in ihnen steckt. In der Bundesliga wartet die Mannschaft mit Platz zehn noch auf den Erfolgslauf, das kann schnell kippen.

Was sagt das über den deutschen Fussball aus?

Neben zusätzlichen Einnahmen für mehrere Bundesliga-Teams bedeutet das Weiterkommen der Klubs auch einen Anschub für die Fünfjahreswertung der UEFA. Deutschland steht vor Frankreich, hat sich die vier Champions-League-Startplätze vorerst gesichert.

"Letztlich ist es eine Aufwertung der Bundesliga. Mit der Entwicklung kann man zufrieden sein", sagte etwa Hansi Flick. "Man kann sagen, dass wir in Deutschland und der Bundesliga enorm an Qualität dazu gewonnen haben."

Doch in den letzten Jahren war es – mit ein paar Ausnahmen – oft nur der FC Bayern, der es bis ins Halbfinale oder Finale schaffte. Mit Bayern, Leverkusen und Leipzig ist es diese Saison zumindest mehreren Teams zuzutrauen.